Das Wappen der Familie Schilgen
Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe in der Rechtschreibung des Originals; reine Quellennachweise weggelassen. Die im Buch beigegebene lithographische Wappentafel ist hier nicht wiedergegeben; die Seitenverweise (S. 14, S. 64) beziehen sich auf das gedruckte Original.
Ein Wappen zu führen war nie und ist auch heute noch kein Vorrecht des Adels, obwohl bei diesem das Wappenwesen besonders gepflegt und ausgebildet wurde. „Schon im 13. Jahrhundert führten Bürger in Städten wie Münster, Lübeck, Köln usw. ganz unbeanstandet Wappen, und im 15. lassen sich auch Bauernwappen schon nachweisen.“ Später führt so ziemlich jede angesehene Familie, insbesondere aber jeder Beamte ein Wappen. Für die Verleihung derselben hatte das Fürstentum Münster sogar einen eigenen Beamten, der den Titel Comes palatinus (Pfalzgraf) führte, doch waren solche Verleihungen sehr selten; die allermeisten Wappen sind ohne weiteres einfach angenommen worden.
Unter diesen Umständen kann es keineswegs befremden, wenn wir auch Dr. jur. Johann Schilgen als hochstehenden Beamten des Fürstbistums Münster ein Wappen führen sehen. Möglicherweise hat er es erst nach seinem Eintritt in münsterische Dienste angenommen. Doch sehr wahrscheinlich bediente sich schon sein Vater, Postmeister Johannes Schilgen in Köln, eines Wappens, und zwar desselben, das sein Sohn und dessen Nachkommen in Westfalen etwa 150 Jahre lang beibehielten. Das Wappen des Dr. jur. Johann Schilgen in Rheine finden wir im oberen rechten und unteren linken Felde des vereinigten Wappens Schilgen-Flagink (S. 14) abgebildet. Leider ist die Figur (der Löwe) dort nicht in allen ihren Teilen erkennbar, doch hatte ich Gelegenheit, das Wappen dieses Bürgermeisters von Rheine auf verschiedenen von ihm geschriebenen Briefen zu sehen und festzustellen, daß es sich in keinem wesentlichen Punkte von jenem unterscheidet, das seine Nachkommen später gebrauchten und von dem sich sieben lithographische Nachbildungen auf der beigegebenen Tafel „Das Wappen der Familie Schilgen“ finden.
Wie ein Blick auf diese Tafel zeigt, ist die Figur bei allen die gleiche: auf dem Schilde ein rechtsschreitender doppeltgeschwänzter Löwe mit offenem Rachen und vorgestreckter Zunge, der eine Krone zwischen den Pranken hält. Nur in einigen unwesentlichen Sachen unterscheiden sie sich. Bei dem Bentheimer Hofrichter Christian Joseph Schilgen (Nr. 1—3) ist der Schild an beiden Seiten mit Palmzweigen umkränzt, und oben auf demselben ruht eine Bürgerkrone, während im Wappen seiner Söhne, des Richters und Gografen Ferdinand Joseph Schilgen (Nr. 4 und 5) und des Arztes Dr. Friedrich Karl Schilgen (Nr. 7) sowie seiner Enkelin Maria Catharina Schilgen (Nr. 6) anderer Zierat an die Stelle der Palmzweige und ein Flug an die der Bürgerkrone tritt. Von dem Osnabrücker Zweig der Familie habe ich bisher kein Siegel zu Gesicht bekommen können, doch ist dasjenige, das Wilhelm Schilgen zu Neuenwalde bei Damme und dessen Schwester, die Rentnerin Bernhardine Schilgen zu Osnabrück, die beide Kinder des Vördener Amtmanns Martin Schilgen waren, zeitlebens gebrauchten, in den oben angegebenen wesentlichen Punkten denen des Bentheimer Zweiges der Familie vollkommen gleich.
Vergleichen wir nun mit den Wappen der bürgerlichen Familie Schilgen auf der beigegebenen Tafel jenes des adeligen Zweiges der Familie (S. 64), das diesem durch kaiserliches Diplom vom 24. Februar 1787 verliehen wurde, so erkennen wir, daß letzteres in seinem wesentlichen Teil demjenigen nachgebildet ist, das die Familie seit mehr als 100 Jahren geführt hatte. Nur ist der Löwe mehr den heraldischen Grundsätzen gemäß gestaltet, und oben auf dem Schild ruht ein adeliger Turniershelm, auf dessen Krone sich derselbe Löwe wiederfindet. Das sind jedoch alles nur Nebensachen, und Albert von Schilgen hat jedenfalls Wert darauf gelegt, das alte Familienwappen in seiner wesentlichen Gestaltung im Adelsstande weiterzuführen.