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Die Wohnhäuser an der Kirchstraße

Drei Schilgen-Villen in Emsdetten — Kirchstraße 38, 40 und 43

Über zwei Generationen hinweg errichteten die Schilgens ihre Familien­häuser in unmittelbarer Nähe — alle drei an der Kirch­straße, dem damaligen Hauptzug Emsdettens, der die Pfarrkirche St. Pankratius mit dem südlich anschließenden Wohn­viertel verbindet. Die Gründer­brüder Jodokus und Stephan bauten an Nr. 38 und Nr. 40; die nächste Generation kam mit Josephs Gänselieselvilla auf Nr. 43 hinzu. Heute sind alle drei Häuser Teil des historischen Stadtbilds — in Stephans Wohnhaus residiert mittlerweile die Stadtbibliothek Emsdetten.

Kirchstraße 38 — die Familie Jodokus Schilgen

Dreigeschossige Stadtvilla mit Walmdach und Vorgarten, Schwarzweißfotografie um 1920
Wohnung der Familie Jodokus Schilgen, Emsdetten — Kirchstraße 38. Schwarzweißaufnahme aus dem Familienarchiv, vermutlich um 1920.

Das Stamm­haus von Jodokus Schilgen und seiner Ehefrau Katharina geb. Terfloth steht in der Kirchstraße 38. Ein drei­geschossiger Bau in der für das späte 19. Jahrhundert in westfälischen Industrie­städten typischen Formen­sprache — symmetrische Fassade, kräftiger Sockel, Walmdach mit Traufgesims. Hier wuchsen die zehn Kinder von Jodokus und Katharina Schilgen zwischen 1876 und 1896 auf.

Kirchstraße 40 — die Familie Stephan Schilgen

Zweigeschossige weiße Villa mit gepflegtem Vorgarten und Hecken, Schwarzweißfotografie
Wohnung der Familie Stephan Schilgen sen., später Geschwister Schilgen — Emsdetten, Kirchstraße 40.

Die Wohnung der Stephan-Schilgenschen Familie hat eine eigene Geschichte. Als Stephan Schilgen am 11. August 1875 Fräulein Ottilie Jackson aus Rheine heiratete, ermöglichte ihm ein günstiger Umstand, seine junge Gemahlin sofort in ein eigenes Heim zu führen. Kurz vorher war nämlich der ehemalige Amtmann Bernhard von Eichstedt von Emsdetten fortgezogen, und Stephan Schilgen hatte dessen Wohnhaus mit geräumigem Garten an der Kirchstraße käuflich erworben.

An der Seite seiner ersten und — nach deren frühem Tod 1880 — seiner zweiten Gemahlin Franziska geb. Schaub verlebte Stephan Schilgen glückliche 29 Jahre in seinem Heim an der Kirchstraße. Die ursprüngliche Eichstedische Wohnung wurde im Laufe der Zeit durch einen Neubau ersetzt — das Gebäude, das auf der Aufnahme zu sehen ist. Nach dem Tod der Witwe Franziska 1923 wurde das Haus unter den noch unverheirateten Geschwistern Friedrich und Christine Schilgen weiter bewohnt — daher die spätere Bezeichnung „Geschwister Schilgen, Kirchstraße 40".

Heute Stadtbibliothek. Das Stephan-Schilgensche Haus in der Kirchstraße 40 ist mittlerweile Sitz der Stadt­bibliothek Emsdetten; an der Fassade erinnert eine ausführliche Gedenk­tafel an die Familie, die hier rund ein halbes Jahrhundert wohnte. Eine Aufnahme und Trans­kription der Tafel steht auf der Seite Erinnerungsorte.

Kirchstraße 43 — die Gänselieselvilla (Joseph Schilgen)

Eckige dreigeschossige Stadtvilla mit Walmdach an der Kirchstraße, im Hintergrund der Turm der Pfarrkirche St. Pankratius
Die Gänselieselvilla, Emsdetten — Kirchstraße 43. Postkarten­aufnahme „Emsdetten, Partie a. d. Kirche".

Joseph Schilgen, dritter Sohn Stephan sr.'s aus der zweiten Ehe, ließ 1912 — im Sterbejahr seines Vaters und seinem eigenen Hochzeitsjahr mit Rita Charlier — die Gänselieselvilla in der Kirchstraße 43 erbauen. Mit dem Neubau schließt sich das Schilgen-Trio an der Kirch­straße: Nr. 38 (Jodokus, ca. 1875), Nr. 40 (Stephan sr., ab 1875), Nr. 43 (Joseph, 1912) — drei Familien­häuser dreier Schilgen-Fabrikanten­generationen, innerhalb von rund vier Jahrzehnten dicht beieinander errichtet. Hintergrund zu Joseph als Bauherr und Unternehmer auf der eigenen Seite Joseph Schilgen.

Sepiafarbene Straßenansicht der Kirchstraße in Emsdetten um 1900: rechts die zweigeschossige Villa Stephan Schilgens (Kirchstraße 40, heute Stadtbibliothek) mit klassizistischer Fassade hinter schmiedeeisernem Gartenzaun, links im Hintergrund die Villa Jodokus Schilgens (Kirchstraße 38) zwischen Bäumen; auf der gepflasterten Straße davor vier Kinder in Sonntagskleidung — drei Mädchen mit weißen Schürzen und ein Junge mit Schirmmütze
Die Schilgen-Villen an der Kirchstraße um 1900 — rechts die Villa Stephan Schilgens (Nr. 40, heute Stadtbibliothek), links im Hintergrund die Villa Jodokus' Schilgens (Nr. 38); vier Kinder in Sonntagskleidung im Vordergrund. Die abgebildeten Personen sind nicht überliefert.
Hinweis zu den Aufnahmen. Die Schwarz­weiß-Aufnahmen der Häuser Nr. 38 und Nr. 40 stammen aus dem gedruckten Familienwerk von 1925 und zeigen die Bauten im Vorkriegs- bzw. frühen Zwischenkriegs­zustand. Die Aufnahme der Gänselieselvilla ist eine Postkarte aus derselben Zeit. Die abschließende Straßen­ansicht stammt aus dem Familien­archiv und entstand um 1900; die abgebildeten Kinder sind nicht überliefert. Aktuelle Aufnahmen der drei Häuser sind in Vorbereitung.