Die Familien Jodokus & Stephan Schilgen
Werfen wir nun, nachdem wir den Gebrüdern Schilgen in ihrer geschäftlichen Betätigung soweit gefolgt sind, einen Blick auf deren Familienverhältnisse, wie sich diese zur selben Zeit entwickelt hatten. Zwischen den beiden Schilgen- Häusern in Emsdetten lebten zur Hochzeit der Familie 24 Kinder aus drei Ehen — zehn bei Jodokus, vierzehn bei Stephan.
Die Familie Jodokus Schilgen
Der ältere Bruder, Jodokus Schilgen, vermählte sich am 24. Mai 1875 mit Fräulein Katharina Terfloth, Tochter des Emsdettener Fabrikanten Ludwig Terfloth und seiner Gemahlin geb. Heidkemper. Diese seine Gattin wurde ihm nach dreißigjähriger glücklicher Ehe am 9. September 1905 zu Pyrmont, wohin sie sich zur Heilung eines langjährigen schweren Leidens begeben hatte, durch den Tod entrissen. Sie hatte ihrem Gatten zehn Kinder geschenkt, von denen zur Zeit ihres Absterbens noch acht am Leben und fünf minderjährig waren.
- Wilhelmine Schilgen, geb. Emsdetten 13. Juni 1876.
- Ludwig Schilgen, geb. Emsdetten 25. September 1877.
- Theodora Schilgen, geb. Emsdetten 10. Mai 1882.
- Maria Schilgen, geb. Emsdetten 9. April 1884.
- Margaretha Schilgen, geb. Emsdetten 15. August 1886.
- Elise (Lissi) Schilgen, geb. Emsdetten 14. Oktober 1888.
- Jodokus Schilgen, geb. Emsdetten 10. September 1890.
- Paul Schilgen, geb. Emsdetten 10. März 1892.
- Hermann Schilgen, geb. Emsdetten 18. Dezember 1894.
- Ernst Schilgen, geb. Emsdetten 2. November 1896.
Die Töchter Jodokus' und ihre Ehen
Von den Töchtern vermählte die älteste, Wilhelmine Schilgen, sich am 2. Juni 1897 mit Franz Mülder, Fabrikbesitzer in Emsdetten — starb jedoch bereits am 5. April 1898, nachdem sie kurz vorher einem Söhnchen das Leben geschenkt hatte, das der Tod ebenfalls bald nach ihr dahinraffte. Theodora Schilgen trat am 11. Juli 1905 mit Dr. med. Bernhard Bauer aus Laer (Bez. Münster), Arzt in Gronau, Maria Schilgen am 17. Februar 1914 mit Dr. med. Franz Schründer aus Greven, Augenarzt in Hamm, Lissi Schilgen am 4. Oktober 1921 mit Dr. med. Paul Haggeney, damals Oberarzt am St.-Hedwigs-Krankenhaus in Berlin, später in Elberfeld tätig, vor den Traualtar. Margaretha Schilgen war bereits kaum vierjährig am 2. August 1890 verstorben.
Die Söhne Jodokus' im Weltkrieg
Alle fünf Söhne nahmen am Weltkriege teil, aus dem die beiden jüngsten nicht ins Vaterhaus zurückkehren sollten. Beide hatten sich gleich bei Kriegsausbruch freiwillig zur Fahne gemeldet. Hermann Schilgen, Vizewachtmeister und Offiziersaspirant im Fußartillerie-Bataillon Nr. 149, erlag, nachdem er vier Jahre hindurch alle Beschwerden des Feldzuges an verschiedenen Fronten ertragen und sich das Eiserne Kreuz erworben hatte, am 28. September 1918 in einem Feldlazarett dem Typhus.
Ernst Schilgen wurde erst im Oktober 1915 zur Fahne gerufen und rückte, nachdem er seine militärische Ausbildung in St. Pilt i. E. erhalten hatte, im Juli 1916 ins Feld. Er nahm an vielen schweren Kämpfen im Westen mit Begeisterung teil und wurde in der Schlacht bei Cambrai verwundet. Nach erfolgter Heilung zog er bald wieder an die Front, bis am 27. Mai 1918 ihn eine feindliche Kugel dahinstreckte. Er war zu der Zeit Unteroffizier und Offiziersaspirant im aktiven Infanterie-Regiment Nr. 150 und hatte ebenfalls für seine Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten.
Die drei älteren Söhne Jodokus'
Ludwig Schilgen, der sich anfangs eine Zeitlang der Landwirtschaft gewidmet hatte, war 1925 als Kaufmann in Düsseldorf ansässig. Er verheiratete sich am 12. Mai 1908 mit Fräulein Maria Kuhlmann, Tochter des Gutsbesitzers Bernhard Kuhlmann und seiner Ehefrau Luise geb. Kamphaus auf Haus Kannen bei Amelsbüren (* 27. Februar 1876). Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Paul (* 13. März 1909 zu Münster, St. Mauritz) und Margarethe (* 20. Juni 1911 zu Oberkassel bei Düsseldorf). Gleichfalls als Kaufmann in Düsseldorf tätig war Paul Schilgen, der jüngere Bruder Ludwigs.
Jodokus Schilgen junr., der zweitälteste Sohn, trat nach der Gründung der Firma Schilgen & Werth in diese ein und war zur Zeit der Quellenabfassung deren Teilhaber. Er verheiratete sich am 15. Mai 1923 mit Thea Murdfield aus Rheine. Diese Ehe wurde am 14. März 1924 mit einem Söhnchen gesegnet, das in der Taufe die Namen Jodokus Gottfried erhielt.
Die Familie Stephan Schilgen
Stephan Schilgen, der jüngere Sohn des Arztes Theodor Schilgen und seiner Ehefrau Mina geb. Everke, war am 6. Dezember 1846 zu Beckum geboren. Da seine Eltern schon in seinen ersten Lebensjahren nach Rheine übersiedelten, verlebte er den ersten Teil seiner Jugend dort. Eine besonders liebe Jugendgespielin war ihm die bekannte Dichterin Antonie Jüngst, die in dem seinem Elternhause gegenüber liegenden Göringschen Hause aufwuchs.
Er trat am 11. August 1875 mit Fräulein Ottilie Jackson, Tochter des Fabrikanten Hardy Jackson aus Rheine (gebürtig aus Birmingham, England) und seiner Gemahlin Mathilde geb. Sträter, vor den Traualtar. Nicht viele Jahre sollte dieses Eheglück jedoch währen. Frau Ottilie Schilgen geb. Jackson wurde bereits am 7. Mai 1880 in ihrem 27. Lebensjahre durch den Tod abberufen.
Erst drei Jahre später, am 2. Juni 1883, trat Stephan Schilgen mit Fräulein Franziska Schaub, geboren zu Münster am 25. Mai 1860, zum zweiten Male in die Ehe. An der Seite dieser seiner zweiten Gemahlin verlebte er glückliche 29 Jahre in seinem Heim an der Kirchstraße. Liebe zur Kunst lenkte sein Augenmerk auf seine zweite Gattin — Franziska Schaub hatte eine sehr schöne Altstimme und übernahm nach erfolgter Ausbildung gelegentlich in Cäcilienkonzerten in Münster Solovorträge. Mit den Sozialwissenschaftlern Prof. Hitze und Franz Brandts pflegte Stephan Schilgen stets einen regen Gedankenaustausch, und von Anfang an war er Mitglied des Vereins Arbeiterwohl, des späteren Volksvereins für das katholische Deutschland. Nach einer vierzigjährigen Tätigkeit in Emsdetten schloß Stephan Schilgen am 20. Dezember 1912 daselbst sein arbeits- und erfolgreiches Leben.
Hintere Reihe (v. l. n. r.): Stephan jr. · Paul Hecking · Johann Heinrich („Heinz") Schilgen · Franziska Schilgen geb. Schaub (2. Ehefrau) · Hardy Schilgen · Franz Schilgen · Ria Schilgen.
Vordere Reihe (sitzend, v. l. n. r.): Karl Schilgen · Ottilie Hecking geb. Schilgen mit Sohn Gerhard · Stephan Schilgen sen. · Fritz Schilgen · Theodor Schilgen · Christine Schilgen · Joseph Schilgen.
Die vierzehn Kinder Stephan Schilgens
Die beiden Ehen Stephan Schilgens waren mit folgenden Kindern gesegnet:
a) Kinder erster Ehe (mit Ottilie Jackson)
- Theodor Schilgen, geb. zu Emsdetten am 16. Juli 1874.
- Hardy Schilgen, daselbst 5. Februar 1876.
- Wilhelm Schilgen, daselbst 29. September 1877.
- Hermann Schilgen, daselbst 27. September 1878.
b) Kinder zweiter Ehe (mit Franziska Schaub)
- Franz Schilgen, 24. April 1884.
- Ottilie Schilgen, 15. November 1885.
- Josef Schilgen, 24. April 1887.
- Stephan Schilgen, 28. April 1889.
- Karl Schilgen, 21. Dezember 1890.
- Friedrich Schilgen, 4. September 1892.
- Johann Heinrich (Heinz) Schilgen, 25. November 1895.
- Maria Schilgen, 24. November 1898.
- Friedrich Schilgen, 6. Juni 1901.
- Christine Schilgen, 6. November 1903.
Frühe Verluste — Heinz Schilgen an der Somme
Von diesen Kindern verstarb Hermann Schilgen (Nr. 4) im zarten Kindesalter, während Friedrich Schilgen (Nr. 10, der erste dieses Namens) im jugendlichen Alter von 5 Jahren einer heimtückischen Halskrankheit erlag. Der älteste Sohn erster Ehe, Theodor Schilgen, betrieb eine Weingroßhandlung zu Godesberg a. Rhein, zog sich jedoch von diesem Geschäft zurück und verstarb unverehelicht zu Emsdetten am 14. August 1924.
Dem sechsten Sohne zweiter Ehe, Heinz Schilgen, war es beschieden, im Weltkrieg als Unteroffizier im Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 45 sein junges Leben für das Vaterland zu lassen. Noch nicht neunzehn Jahre alt, trat er mit dem Zeugnis der Primareife des Gymnasiums in Brühl am 1. September 1914 als Freiwilliger in Wesel ein und kämpfte im Oktober bereits vor Verdun. Kurz darauf nach Galizien geschickt, wurde er dort am Ende des Jahres in der großen Entscheidungsschlacht bei Limanowa (47. R.-D.) verwundet und, nachdem er sechs Wochen in Lazaretten in Wien gelegen hatte, zur Ausheilung seiner Wunden in die Heimat entlassen. Im Juni 1915 meldete er sich, sobald er einberufen war, freiwillig wieder zur Front und stand seitdem beinahe ununterbrochen im Kampf. Wegen Tapferkeit vor dem Feinde wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 1. Oktober 1916 traf ihn an der Somme eine feindliche Granate, die seinem hoffnungsvollen Leben ein Ende machte.
P. Hardy Schilgen S. J. — der Jesuit
Den geistlichen Beruf wählte der zweite Sohn erster Ehe, P. Hardy Schilgen S. J. Er machte seine vorbereitenden Studien in Feldkirch (1888–1892) und Blijenbeek (1892–1895), erlangte am Gymnasium letztgenannter Stadt Ostern 1895 das Zeugnis der Reife und trat am 1. Mai desselben Jahres zu Blijenbeek (holl. Limburg) in das Noviziat des Jesuitenordens ein. Nach vollendeten philosophischen und theologischen Studien wurde er am 13. Juli 1907 zu Valkenburg (holl. Limburg) zum Priester geweiht, bald zum Volksmissionar und Exerzitienmeister bestimmt, hatte als solcher von 1908–1910 seinen Wohnsitz in Exaeten, seitdem im Bonifatiushaus bei Emmerich.
In den Kriegsjahren 1915–1919 leitete er Exerzitien, hauptsächlich für Rekruten, in Münster, im ganzen etwa 180 Kurse mit über 15 000 Teilnehmern. Neben seiner unermüdlichen und sehr erfolgreichen Wirksamkeit auf der Kanzel ging eine solche mit der Feder einher.
Außer einigen kleineren Sachen veröffentlichte P. Hardy Schilgen folgende Schriften:
- Junge Helden. Kevelaer, Jos. Bercker, 1920.
- Im Dienst des Schöpfers. Kevelaer, Jos. Bercker, 1921 (75.–100. Tausend erschien 1924). Übersetzungen ins Holländische und Polnische.
- Du und sie. Düsseldorf, L. Schwann, 1924.
- Die Aufklärung ein Mittel zur Bewahrung der Keuschheit. Vortrag, 1917 in Düsseldorf gehalten, veröffentlicht 1920 in „Jünglingsseelsorge" von Mosterts (Freiburg, Herder). 2. Aufl. 1923.
Die übrigen Kinder zweiter Ehe
Franz Schilgen, der älteste Sohn zweiter Ehe, lebte als Fabrikbesitzer in Dresden. Er verheiratete sich am 15. Mai 1913 in Frankfurt a. M. mit Fräulein Aennchen Thron, geboren zu Düsseldorf am 19. Juni 1887.
Ottilie Schilgen verheiratete sich am 12. Juni 1907 mit dem Fabrikbesitzer Paul Hecking, geboren zu Neuenkirchen bei Rheine am 14. November 1868. Dieser Ehe sind bis 1925 sieben Kinder entsprossen.
Josef Schilgen, Fabrikbesitzer in Emsdetten (elterliche Fabrik J. Schilgen), verehelichte sich am 8. Mai 1912 mit Fräulein Rita Charlier, geboren zu Malmedy am 24. Januar 1891, und bezog mit ihr 1914 das von ihm erbaute Haus an der Kirchstraße. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor: Margarethe (* 20. 2. 1914), Maria (* 22. 6. 1916), Johannes (* 20. 10. 1917), Theodor (* 18. 5. 1921) und Franziska (* 20. 7. 1923) — alle in Emsdetten geboren.
Stephan Schilgen, Fabrikbesitzer in Emsdetten (elterliche Fabrik J. Schilgen), vermählte sich am 31. August 1915 mit Fräulein Gertrud Heüveldop, Tochter des Fabrikbesitzers Bernhard Heüveldop und seiner Gemahlin Maria geb. Pröpsting, am 7. Januar 1892 zu Emsdetten geboren. Diese Ehe wurde mit zwei Söhnen gesegnet: Hermann-Josef (* 18. 5. 1916 in Düsseldorf-Oberkassel) und Johann-Heinrich (* 15. 5. 1917 in Emsdetten).
Dr. Karl Schilgen studierte Medizin zu Münster, Düsseldorf, Heidelberg und München, promovierte 1920 zu Düsseldorf und war 1925 als Assistenzarzt in München tätig.
Maria Schilgen trat am 12. Juni 1918 mit dem Fabrikanten Alfons Hecking, geboren am 15. August 1884 zu Neuenkirchen bei Rheine, in die Ehe. Diese wurde bis 1925 mit zwei Kindern gesegnet.
Friedrich Schilgen, 1925 stud. Maschinenbau an der Technischen Hochschule zu München, bewohnte mit seiner jüngsten Schwester Christine Schilgen das elterliche Haus an der Kirchstraße.
Franziska Schilgen-Schaub — die Witwe
Seine Witwe, Frau Franziska Schilgen geb. Schaub, blieb ihren Kindern, von denen vier noch unmündig waren, eine Reihe von Jahren länger erhalten, bis auch sie am 29. November 1923 nach längerem Leiden das Zeitliche segnete. Ihr brachte der Krieg viel Sorgen und trübe Stunden, da sie mit noch vier unmündigen Kindern sogleich zu Beginn vier Söhne ins Feld ziehen sah — darunter Joseph, den zeitigen Leiter der Firma J. Schilgen, und Stephan, der als einziger Ersatzmann zur Zeit in Frage gekommen wäre. Besonders hart war es für sie, daß schon einige Tage später der erst 18-jährige Heinz sich nicht abhalten ließ, freiwillig sein junges Leben dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen — dem er es dann auch in der Somme-Schlacht opfern mußte.
Trotz der harten Prüfungen, die dieser echt deutschen Frau zuteil wurden, suchte sie sofort durch eifrigste Liebestätigkeit am schwer kämpfenden Vaterlande nach Möglichkeit zu helfen. Der gleich zu Anfang des Krieges an sie ergangenen Aufforderung entsprechend, rief sie den Vaterländischen Frauenverein ins Leben, der unter ihrer Leitung bald eine sehr segensreiche Tätigkeit entwickelte. Fürsorge für Notleidende daheim und Pflege der Verwundeten waren die Hauptaufgabe. Es gelang, in dem kurz vor dem Kriege großzügig erweiterten Schwesternkrankenhause ein Lazarett einzurichten, das noch lange nach dem Kriege Verwundeten und Kriegs-Erkrankten angenehmen Aufenthalt zu bieten vermochte.
Den Vaterländischen Verein leitete sie noch mehrere Jahre nach Beendigung des Krieges mit großer Umsicht und Tatkraft. Ihre segensreiche Tätigkeit wurde durch Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille anerkannt. Auch vom Heiligen Vater Papst Pius XI. wurden die großen Leistungen dieser Frau auf jeglichem Gebiet der Caritas anerkannt durch Verleihung des päpstlichen Ordens Pro Ecclesia et Pontifice. Das Andenken an ihre Wohltätigkeit und Opferwilligkeit für kirchliche und gemeinnützige Zwecke wird in Emsdetten noch lange leben.