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Die Familie Schilgen in Osnabrück

C. Jüngere Linie der Familie · Kapitel 13

Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise weggelassen, die ausführlichsten Anekdoten gekürzt.

Als ältester Sohn des Hofrats Dr. Nikolaus Schilgen und seiner Ehefrau Maria Christina geb. Heising studierte Johann Wilhelm Schilgen seit 1739 an der Universität Harderwijk die Rechte und erwarb den Doktortitel. In seine Geburtsstadt Münster zurückgekehrt, fand er bald Verwendung bei der Verwaltung des Fürstentums und wurde Hofrat. Am 17. November 1756 verheiratete er sich mit Maria Anna Gertrud Schlaun, Tochter des berühmten Baumeisters Johann Konrad Schlaun und seiner zweiten Gemahlin Maria Katharina Bourel (am 16. Januar 1730 in der Ueberwasserkirche zu Münster getauft). 1761/62 siedelte er nach Osnabrück über, wo er die Stelle eines Stiftsschatzrats bekleidete. Dem Ehepaar Schilgen-Schlaun wurden sieben Kinder geboren (die ersten vier in Münster, die übrigen in Osnabrück), von denen vier überlebten. Johann Wilhelm Schilgen starb bereits am 5. April 1767, als sein ältester Sohn noch keine sechs Jahre zählte; seine tatkräftige Witwe verwaltete das Stiftsschatz-Pfennigmeisteramt, bis ihr Sohn Konrad es übernehmen konnte. Zwei der Söhne, Albert (der adelige Zweig) und ein weiterer (der Oldenburger Zweig), begegnen uns in eigenen Abschnitten; die einzige überlebende Tochter, Margarethe Schilgen, vermählte sich 1804 im Dom zu Osnabrück mit dem französischen Militärarzt Pierre.

Konrad Schilgen, Schatzrat zu Osnabrück

Konrad Schilgen, am 10. April 1761 in Münster geboren und das älteste der vier überlebenden Kinder, verlor mit knapp sechs Jahren seinen Vater. Er verliebte sich in Lucia Gertrud Gülich, Tochter des Justizbürgermeisters und Landrats Philipp Anton Gülich, eines eifrigen Protestanten. Erst nach langem Ringen kam die Einwilligung der Eltern zur Eheschließung zustande, und zwar unter der Bedingung, daß von den Nachkommen die Töchter der Religion der Mutter folgten, die Söhne zwar katholisch getauft würden, doch zugleich katholischen und lutherischen Unterricht erhielten und später freie Wahl der Religion haben sollten. Unter diesen Vertragsbedingungen wurde die Ehe am 30. Juni 1790 in der evangelischen Katharinenkirche zu Osnabrück geschlossen. Ihr entsprossen folgende Kinder:

  1. Marie Anne Lucie Friederike Schilgen, geb. am 9. April 1791.
  2. Philipp Anton Wilhelm Schilgen, geb. am 25. August 1792 (der Maler).
  3. Maria Friderike Gertrud Schilgen, get. am 25. Juni 1794.
  4. Paul Albert Schilgen, geb. am 9. Januar 1796 (Amtmann in Wölpe).
  5. Maria Friderike Lisette Gertrud Schilgen, geb. am 8. Januar 1801.
  6. Friderike Mathilde Schilgen, geb. am 1. September 1810.

Nicht viel mehr als ein Jahr nach der Geburt des jüngsten Kindes, im September 1811, schied der Schatzrat Konrad Schilgen auf tragische Weise aus dem Leben: „er verunglückte auf einem nächtlichen Ritt unter Umständen, die den Verdacht eines Selbstmordes nicht ausschlossen". Die Witwe fand mit ihren Kindern Zuflucht bei ihrer tatkräftigeren Schwester Friderike, die mit dem Gutsbesitzer Brockmann auf Wulften (bei Schledehausen) verheiratet war; später zogen die beiden kinderreichen Familien in ein schönes Haus an der Hauptstraße zu Osnabrück. Als die Söhne Philipp und Paul Albert vor der Wahl der Religion standen, wählten beide das Bekenntnis der Mutter.

Die älteste Tochter Marianne verehelichte sich um 1816 mit dem Pastor Georg Voß in Schledehausen († 5. April 1829). Die zweite, Lisette, galt als das schönste Mädchen weit und breit und durfte als junges Mädchen den englisch-hannoverschen König Georg IV. bei seinem Einzug in Osnabrück mit einem Lorbeerkranz bewillkommnen; nach einer durch eine leidenschaftlich-eifersüchtige Verlobung getrübten Jugend heiratete sie nach dem Tode ihrer Schwester deren Witwer, den Pastor Voß, und starb am 16. Juni 1870 in ihrem siebzigsten Lebensjahre. Die jüngste, Friderike (Riekchen), reichte um 1835 dem Leutnant Wilhelm von Lösecke die Hand, wurde jedoch schon 1839 Witwe und starb am 28. Februar 1851; ihre drei Söhne brachten es zu geachteten Stellungen, zwei Enkel nahmen am Weltkriege teil.

Philipp Schilgen, Maler

Am 25. August 1792 als Sohn des Schatzrats Konrad Schilgen und seiner Frau Lucia Gertrud geb. Gülich zu Osnabrück geboren, siedelte Philipp Schilgen nach dem jähen Absterben seines Vaters (1811) mit der Mutter auf das Landgut Wulften über und ist 1815 als Studierender der Oekonomie vermeldet; trotzdem eignete er sich die Technik der Malkunst an. Zu seiner weiteren Ausbildung begab er sich 1823 nach Düsseldorf zu Cornelius und folgte diesem 1825 nach München, wo er in der Glyptothek arbeitete und an den Freskobildern aus der Geschichte Bayerns in den Arkaden des Hofgartens mitwirkte. Ende 1829 ging er nach Italien (bis 1832), verkehrte in Rom mit Thorvaldsen, Overbeck und dem Osnabrücker Heinrich Abeken (später „die Feder Bismarcks") und führte nach seiner Rückkehr im neuen Königsbau zu München nach Schwanthalers Kompositionen 24 Darstellungen aus den Trauerspielen des Aeschylos aus. Sein Gemälde Die Entführung der Helena (nach einem Karton von P. von Cornelius) hängt in der Pinakothek zu München, ein anderes im Museum zu Osnabrück; viele Bildnisse, historische Darstellungen und Landschaften von ihm sind in Familienbesitz erhalten. Philipp Schilgen, eine seltene, durch großen dunklen Vollbart und trockenen Humor auffallende Erscheinung von edelstem Charakter, starb ganz plötzlich am Schlage, als er eben seinen Platz im Wagen eingenommen hatte; er ruht auf dem Hasefriedhof zu Osnabrück.

Albert Schilgen, Amtmann in Wölpe

Paul Albert Schilgen, der Bruder des Malers, war am 9. Januar 1796 in Osnabrück geboren und machte als Achtzehnjähriger im Lützowschen Korps die Freiheitskriege mit. Er studierte Rechtswissenschaft und durchlief eine richterliche Laufbahn als Amtsauditor und -assessor in Osnabrück, Grönenberg, Weener und Iburg, bis er 1844 Amtmann in Wölpe wurde, wo er am 9. Juli 1854 starb. Um 1825 hatte er sich mit Elisabeth Kreuzhage (geb. zu Melle am 29. September 1799, gest. zu Hannover am 9. Juli 1858) verheiratet; der Ehe entsprossen sieben Kinder. Der einzige Sohn, Hermann, starb 1844 als Schüler des Ratsgymnasiums zu Osnabrück. Von den sechs Töchtern blieben drei unverehelicht (Maria, Bertha, Angelika); Ottilie heiratete 1849 den Kommerzienrat Wilhelm Urbach (Bocholt), Anna 1853 den Zivilingenieur Karl Lohmann, und die jüngste, die wegen ihres rötlich-blonden Haares von Offizieren „der fehlerfreie Fuchs" genannte Elisabeth, vermählte sich 1874 mit dem Landgerichtspräsidenten und späteren Geheimen Oberjustizrat Theodor Isenbart.