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Die Familie Schilgen in Münster

C. Jüngere Linie der Familie · Kapitel 12

Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise weggelassen, stark beschädigte Stellen zurückhaltend wiedergegeben.

Der erste Schilgen, den wir in Westfalens Hauptstadt antreffen, ist Dr. jur. Nikolaus Schilgen. Anfang April 1686 als Sohn des Bürgermeisters Dr. jur. Johann Schilgen und seiner Ehefrau Margaretha geb. Flaginck zu Rheine geboren und am 9. April in der dortigen Pfarrkirche getauft, studierte er die Rechte zu Rom und erwarb sich am 21. Februar 1710 daselbst sein Doktordiplom. Zufolge seiner eigenhändigen Eintragung in die Münsterische Notariats-Matrikel legte er am 3. Oktober 1711 den Advokateneid ab und trat seine juristische Laufbahn an. Ein Jahr später, am 5. Oktober 1712, verheiratete er sich in der Lambertikirche mit Maria Christina Heising, Tochter des Rentmeisters Wilhelm Heising zu Dringenberg; sein Oheim, Prior Christianus Schilgen von Marienfrede, sandte zu dieser Vermählung nachträglich ein lateinisches Glückwunschschreiben. Um die Zeit dieser Verehelichung muß sein Vater, der Bürgermeister, gestorben sein. Dem Ehepaar wurden sechs Kinder geboren, die sämtlich in der Ueberwasserkirche getauft wurden:

  1. Johann Wilhelm Nikolaus Schilgen, geb. am 25. April 1715. Paten: P. Nikolaus Flaginck, Prior in Bentlage, und Anna Margaretha Flaginck.
  2. Nikolaus Augustin Anton Schilgen, get. am 1. Februar 1717.
  3. Franz Karl Eugen Schilgen, geb. am 5. März 1719 (in zarter Jugend gestorben).
  4. Friedrich Nikolaus Schilgen, get. am 15. September 1721 (in zarter Jugend gestorben).
  5. Maria Anna Margaretha Juliana Schilgen, geb. am 20. Mai 1724.
  6. Paul Alexander Schilgen, geb. am 21. September 1726.

Durch seine Fähigkeiten zog Dr. Nikolaus Schilgen die Augen der Münsterischen Regierung auf sich: am 28. Oktober 1730 wurde er zum Rechnungsprüfer der Stadt Münster, einige Jahre darauf zum Hofrat ernannt; später war er einer der beiden Subdelegierten, die der Fürstbischof mit der Verwaltung der Grafschaft Bentheim betraut hatte (nachweisbar 1737, von dieser „Subdelegation" 1739 wieder befreit). Zum letzten Mal hören wir 1743 von ihm; 1757 war er bereits verstorben, doch ließ sich sein Todesdatum mangels Sterbebücher der Ludgeripfarre nicht feststellen. Seine Witwe Maria Christina Heising bewohnte im Siebenjährigen Kriege den Reckeschen oder Heeßenschen Hof (heute Ludgeristraße 19); dort bekam die „Madame Schilgen" der Kriegschronik 1757, als das Hauptquartier der gegen die Engländer ziehenden französischen Truppen nach Münster verlegt wurde, den Generalleutnant de Villemaur als Quartiergast, und ebendort gab der Kavallerieoberst Graf de Vienne am Namenstage des Königs Ludwig jenen „herrlichen Ball". Frau Christine Schilgen geb. Heising starb hochbetagt in ihrem 86. Lebensjahre am 14. Februar 1772.

Von den sechs Kindern starben die unter 3 und 4 genannten in zartester Jugend. Der älteste Sohn, Johann Wilhelm Schilgen, folgte um 1762 einem Rufe nach Osnabrück, wo er der Gründer des Osnabrücker Zweiges der Familie wurde. Die einzige Tochter, Margarethe Schilgen, verheiratete sich mit dem Münsterischen Hofkammerrat Petrus Zureick, der früh verstarb; sie folgte ihm 1790 ins Grab, ihre Ehe war kinderlos geblieben.

Nikolaus Augustin Anton Schilgen

Als zweiter Sohn von Dr. Nikolaus Schilgen am 1. Februar 1717 zu Münster geboren, war er anfangs zum geistlichen Stande bestimmt — er empfing 1731 mit seinem Bruder Johann Wilhelm die erste Tonsur — bezog jedoch 1739 mit demselben Bruder die Universität Harderwijk (Herzogtum Geldern), wo er sich dem Rechtsstudium widmete und wohl zugleich promovierte. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, gelangte er zu hohen Aemtern bei der Regierung des Fürstentums: als Hochfürstlich Münsterischer Hofrat und Geheimer Referendar nahm er während des Siebenjährigen Krieges an vielen Staatsaktionen teil. So wirkte er Ende März 1758 als Vertreter des Kurfürsten von Köln am Zustandekommen einer für Münster günstigen Konvention mit und ging im selben Jahr als Gesandter nach Hannover; am 2. November 1758 wurde er zum Landfiskalatgerichts-Kommissar ernannt. Auch beim Nachfolger Maximilian Friedrich stand er in hoher Gunst. In welchem Grade die Verwaltung des Fürstentums in seinen Händen lag, beweisen die unzähligen Schriftstücke und Imprimatur-Vermerke jener Zeit, die seine Unterschrift tragen. Am 30. Juli 1765 verehelichte er sich mit Maria Franziska Zurmühlen; Kinder blieben dem Ehepaar versagt. Am 27. Oktober 1774 erlag der Hofrat Schilgen, als er sich gerade in der Ueberwasserkirche vor dem Marienaltar befand, einem Schlagflusse und wurde in der Ludgerikirche bestattet. Seine Witwe bewohnte von 1775 bis zu ihrem Tode (12. Mai 1800) den Heeßenschen Hof.

Paul Alexander Schilgen

Auch der jüngste Sohn, Paul Alexander Schilgen, am 21. September 1726 in Münster geboren, trat nach seinen juristischen Studien in den Staatsdienst des Fürstentums. Am 10. Mai 1763 wurde der Rat und Referendar Paul Alexander Schilgen zum wirklichen Münsterischen Hofkammerrat ernannt, am 21. August 1774 zum ersten Münsterischen Landfiskalatgerichts-Kommissar. Am 9. März 1777 trat er mit Brigitta Schweling, Tochter des Dr. jur. Johann Theodor Schweling, vor den Traualtar; die Eheleute wohnten in ihrem eigenen Hause der Ludgeri-Laischaft (an seiner Stelle steht heute der Neubau Ludgeristr. 9). Ihre Ehe war mit zwei Töchtern gesegnet: Anna Maria Margaretha Josephine (geb. 29. April 1785) und Sophia Albertina (get. 30. Januar 1788).

Etwa anderthalb Jahre nach der Geburt des jüngsten Töchterchens erlag Paul Alexander Schilgen einem Brustleiden und wurde am 16. November 1790 in der Ludgeripfarre begraben. Seine Witwe, die ihn um ein halbes Menschenalter überlebte, segnete in ihrem 72. Lebensjahre das Zeitliche. Die jüngere Tochter, Sophia Schilgen, verheiratete sich am 4. Juli 1809 mit Joseph von und zur Mühlen; das Ehepaar bewohnte zeitlebens das genannte Haus, in dem beide auch starben — er am 12. Dezember 1865 im Alter von 85 Jahren, sie am 6. Mai 1876.