Der adelige Zweig der Familie
Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe in der Rechtschreibung des Originals; reine Archiv- und Quellennachweise weggelassen. Es ist das umfangreichste Kapitel des Buches — es schildert die 1787 nobilitierte Linie über vier Generationen. Wenige offenkundige Druck- und Lesefehler bei Jahreszahlen wurden nach den Querbezügen des Textes stillschweigend berichtigt.
Albert von Schilgen
Albert Franz Xaver Ignatz Schilgen wurde als Sohn des Schatzrats Johann Wilhelm Schilgen und seiner Ehefrau Maria Anna Gertrud geb. Schlaun in Osnabrück geboren und am 8. August 1762 im Dom daselbst getauft. Nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht hatte, studierte er Rechtswissenschaft in Münster, Erfurt, Göttingen und Harderwijk (Herzogtum Geldern), an welch letzterer Universität er am 8. April 1786 zum Doktor der Rechte (juris utriusque) promoviert wurde. Jetzt nahm er seinen Wohnsitz in Münster und bekleidete in der Folgezeit verschiedene städtische Aemter. Im nächsten Jahre nach seiner Promotion wurde er durch kaiserliches Diplom vom 24. Februar 1787 in den Adelsstand erhoben. Von diesem Diplom, das in mehrfacher Hinsicht interessant ist, lassen wir in Nachstehendem einen Auszug folgen:
Wir Joseph der Andere, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, König in Germanien usw.
Wenn sonach von Unserem und des Reichs lieben Getreuen Albert Schilgen unterthänigst vorgetragen worden, wasmaßen väterlicherseits sein Urgroßvater1 vorerst als fürstbischöflich münsterischer Fisci und Syndikus der Stadt Rheine, nachher als Oberauditor der fürstlichen Truppen, sein Großvater Nikolaus Schilgen, der Rechten Doktor, ebenfalls in Münsterischen Diensten mehrere Jahre als Hofrath und General-Auditor gestanden, auch während der Vormundschaft des minderjährigen Grafen von Bentheim in der Eigenschaft eines Kur-Köllnischen Subdelegierten die Grafschaft Bentheim administriert habe; sein abgelebter Vater Johann Wilhelm Schilgen anfänglich fürstlich Münsterischer Hofrath gewesen, nachher aber als Schatzrath und Stifts-Pfenning-Meister nach Osnabrück berufen worden sei; sein älterer Oheim Nikolaus Anton Schilgen, vorerst als Münsterischer Kreisdirektorialgesandter, sodann unter Maximilian Friedrich, Kurfürst zu Köln und Bischof zu Münster, als wirklicher Geheimer Rath und Staats-Referendar viele Jahre so treu als nützlich gedient habe, und sein jüngerer Oheim Paul Alexander Schilgen wirklich noch die Stelle eines Geheim-Referendars, Hof-Raths und Hof-Kammerraths zu Münster bekleide: nicht minder mütterlicherseits sein Großvater Konrad Schlaun, Kur-Kölnischer General-Major und Gouverneur der Festung Meppen gewesen, und sein Oheim Moritz Schlaun in Unsern Kaiserlichen Kriegsdiensten als wirklicher Obrister und Regimentskommandant zu stehen das Glück habe; er Bittsteller selbst aber nach vollendeten Rechtsstudien und erlangter Doktorwürde nun nichts so sehr am Herzen habe, als dem rühmlichen Beispiel seiner verdienstvollen Voreltern und Anverwandten nachzufolgen und sich bei allen Gelegenheiten um Uns, das heilige römische Reich und Unser durchlauchtigstes Erzhaus verdient zu machen, so dahero allerunterthänigst bitte, daß Wir ihn in des heiligen römischen Reichs-Adelstand mildest zu erheben geruhen möchten …
So haben Wir demnach aus oben angeführten und anderen Uns bewegenden Ursachen mit wohlbedachtem Muth, gutem Rath und rechtem Wissen ihm Albert Schilgen die kaiserliche Gnade gethan und ihn sammt seinen ehelichen Leibeserben und deren selben Erbens-Erben beiderlei Geschlechtes, in grader Linie absteigenden Stammes, in des heiligen römischen Reiches Adelstand gnädigst erhoben, eingesetzt und gewürdiget …
Ferner und zum ehrenden Gedächtnisse dieser Unserer kaiserlichen Gnade haben Wir ihm Albert Schilgen … nachstehendes adeliches Wappen verliehen … als einen goldenen Schild, in welchem ein rechts gekehrter rother Löwe mit offenem Rachen, vorgeschlagener rother Zunge und doppelt aufgewundenem Schwanze eine goldene Krone in den zween vorderen Pranken hält. Auf dem Schilde ruhet ein offener, rechts gekehrter, blau angelaufener, roth gefütterter, mit goldenem Kleinode und zu beiden Seiten mit gold und roth vermischt herabhangender Decke gezierter, goldgekrönter, adelicher Turniershelm, auf dessen Krone der schon im Schild beschriebene rothe Löwe hervorwächst, wie solch adeliches Wappen inmitten dieses Unseres kaiserlichen Gnadenbriefes mit Farben eigentlich entworfen und gemalt befindlich ist.
Wir haben über dieses noch zu mehrerer Bezeigung Unserer kaiserlichen Gnade ihm Albert Schilgen, seinen ehelichen Leibeserben … gnädiglich gegönnet und erlaubet, daß sie hinfür in ewige Zeiten … sich von Schilgen … nennen und schreiben … sollen und mögen.
… Mit Urkund dieses Briefes, besiegelt mit Unserem kaiserlichen anhängenden Insiegel, der gegeben ist zu Wien den vier und zwanzigsten Tag des Monats Hornung nach Christi … Geburt im Siebenzehnten hundert und sieben und achtzigsten Jahre.
(gez.) Joseph.
Ueber die ferneren Lebensschicksale des Dr. jur. Albert von Schilgen sind nur ziemlich dürftige Nachrichten auf uns gekommen. Anfangs 1797 war er Assessor beim Stadtgericht in Münster, gegen Ende 1798 bekleidete er außerdem das Amt eines Gerichtsamtsherrn derselben Stadt. Später, allem Anschein nach in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, eröffnete Albert von Schilgen ein Bankgeschäft in Münster, stellte jedoch 1808 infolge der politischen Wirren seine Zahlungen ein. Ueber letzteres Ereignis fand sich in seinen nachgelassenen Papieren folgender Vermerk: „1808 den 14. Junius hörte ich durch zufällige Umstände und Noth gedrungen, auf zu zahlen. Den 3. Julius verließ ich infolge Vereinbarung mit meinen Creditoren mein Haus, übergab jenen alles und zog mit meinen Kindern bei Notar Hülsberg auf Zimmer.“ Zu dieser Erklärung Alberts von Schilgen bemerkt sein Enkel Friedrich von Schilgen, Landgerichtspräsident zu Arnsberg: „Der Großvater war nach Vaters Erzählung ein äußerst gewissenhafter Mann, und nur seine fast zu große Gewissenhaftigkeit veranlaßte ihn zur Zahlungseinstellung, denn in dem folgenden Konkurse sind nicht nur alle Gläubiger vollständig befriedigt, sondern es ist auch noch Aktivvermögen übrig geblieben.“
Da vorhin von den Kindern Alberts von Schilgen die Rede war, wollen wir nunmehr einen Blick auf seine Familienverhältnisse werfen. Er war zu dieser Zeit bereits zum zweiten Male Witwer und hatte fünf unmündige Kinder zu versorgen, von denen das älteste 17 und das jüngste 5 Jahre alt war. Zum ersten Male war er am 17. März 1787 in der Ueberwasserkirche mit Katharina Elisabeth von Vagedes, Tochter des Hofrats Friedrich Christian von Vagedes und seiner Ehefrau Maria Anna geb. Coormann, in die Ehe getreten, hatte jedoch bereits am 31. Dezember desselben Jahres seine junge, erst zwanzigjährige Gemahlin durch den Tod verloren. Am 15. November 1788 trat Albert von Schilgen dann zum zweiten Male mit Pauline zur Mühlen in der Aegidiikirche zu Münster vor den Traualtar. Diese seine zweite Gemahlin war als Tochter des Hofrats Johann Ignaz zur Mühlen (1803 in den Adelsstand erhoben) und seiner Ehefrau Maria Katharina geb. Nielandt am 31. Mai 1766 zu Münster geboren und starb daselbst am 28. April 1807 im Alter von 38 Jahren. Von den acht Kindern, die sie ihrem Gatten geschenkt hatte, waren drei ihr im Tode vorangegangen.
Welchen Lebensberuf Albert von Schilgen nach seiner Zahlungseinstellung ausübte, wird in keiner meiner Quellen klar vermeldet. Im April 1809 verließ er Münster und zog nach Dülmen. Was ihn hierzu bewog, ist wiederum dunkel, doch drückt einer seiner Nachkommen sich folgendermaßen darüber aus: „In den napoleonischen Wirren mußte er Hals über Kopf Münster verlassen, und fast alle Dokumente, Papiere usw. kamen abhanden.“ In Dülmen verehelichte Dr. jur. Albert von Schilgen sich zum dritten Mal mit Elisabeth Maerle. Wo und wann diese seine dritte Gemahlin geboren war und welcher Familie sie angehörte, ist mir nicht bekannt geworden; nach einer Aufzeichnung, deren Ursprung ich nicht anzudeuten vermag, war sie zur Zeit ihrer Vermählung etwa 57 Jahre alt. Sonst wissen wir über das Lebensgeschick Alberts v. Schilgen in Dülmen nichts. Nur einmal geschieht seiner dort Erwähnung. P. Schmöger läßt ihn in seiner Lebensbeschreibung Anna Katharina Emmerichs die brutale Behandlung der kranken Nonne durch preußische Gendarmen am 6. August 1818 (oder 1819) als Augenzeugen schildern. Am 26. September 1822 siedelte Dr. jur. von Schilgen mit seiner Frau nach Bocholt über, zog jedoch nach deren am 5. Juli 1826 dort erfolgten Absterben wieder nach Münster, wo er selbst am 7. Juli 1828 einem Schlaganfalle erlag.
Die zweite Ehe Alberts von Schilgen war mit acht Kindern gesegnet, die beiden anderen Ehen blieben kinderlos. Die Namen der acht Kinder, von denen die beiden ersten in Aegidii- und die übrigen in der Lambertikirche getauft wurden, sind folgende:
- Johann Ignaz Albert von Schilgen, geb. am 15. September 1789. Taufpaten: Geheimrat und Vizekanzler Ignaz Zurmühlen (Großvater) und Anna Maria Schilgen, Witwe des Kammerrats Petrus Zureik (Großtante).
- Maria Anna Franziska von Schilgen, geb. am 29. August 1791. Paten: Maria Anna Schilgen von Osnabrück (Tante) und Franz Zurmühlen (Oheim).
- Maria Katharina Josephine von Schilgen, geb. am 14. April 1793. Paten: Frau Hofrat Maria Katharina Zurmühlen geb. Nielandt (Großmutter) und Martin Konrad Schlaun, Kanoniker am alten Dom zu Münster (Großoheim).
- Paulina Margaretha Bernardina von Schilgen, geb. am 14. März 1794. Paten: Maria Margaretha Schilgen (Tante) und Petrus Zurmühlen (Oheim).
- Franz Paul Alexander von Schilgen, geb. am 4. Februar 1797. Paten: Franz Zurmühlen (Oheim) und Brigitta Schweling, Witwe des Hofrats Paul Alexander Schilgen (Großtante).
- Konrad Joseph Franz von Schilgen, geb. am 1. Dezember 1798. Paten: Konrad Schlaun, Schatzrat zu Osnabrück (Oheim), vertreten durch Martin Schlaun, Kanoniker am alten Dom zu Münster, und Franziska Zurmühlen, Witwe des Geheimrats Nikolaus Augustin Anton Schilgen (Großtante).
- Peter Paul Bernardin von Schilgen, geb. am 14. Dezember 1800. Paten: Peter Zurmühlen, Dr. jur., und Brigitta Schweling, Witwe Schilgen.
- Anna Margaretha Josephine von Schilgen, geb. am 24. Mai 1804. Paten: Brigitta Schweling, Witwe Schilgen, und Joseph von Zurmühlen, Doktor der Rechte.
Nur vier dieser Kinder erreichten ein höheres Lebensalter. Während die unter Nr. 5 und 8 genannten bereits in ihrer zartesten Jugend starben, raffte der Tod den ältesten Sohn zu Frankfurt a. M. am 26. Juli 1806 in seinem 17. Lebensjahre dahin, und die älteste Tochter wurde am 1. Mai 1814 zu Dülmen in ihrem 23. Jahre dem verwitweten Vater entrissen. Diesem war sie sicher die Hauptstütze bei der Führung des Haushalts und der Fürsorge für die jungen Geschwister gewesen, und ihr Verlust war vielleicht der Hauptgrund, daß er kurz darauf zur dritten Ehe schritt. Die zweite Tochter nämlich, Katharina von Schilgen, die an die Stelle der verstorbenen Schwester hätte treten können, war seit dem 19. Oktober des vorhergehenden Jahres mit Dr. med. Stephan Anton Sentrup verheiratet. Letzterer, am 14. Februar 1775 zu Münster geboren, war Professor der Anatomie an der Universität seiner Vaterstadt und starb daselbst am 4. Dezember 1848 als Medizinalrat und Stadtphysikus. Seine Gattin, die ihm sechs Kinder geschenkt hatte, überlebte ihn volle 27 Jahre, und als sie hochbetagt am 13. Dezember 1875 aus dem Leben schied, hatte sie die Mehrzahl ihrer Kinder und insbesondere auch ihren ältesten Sohn Hermann Sentrup, Oberfinanzrat im Finanzministerium zu Berlin, sich im Tode vorangehen sehen. — Margaretha von Schilgen, die jüngste Tochter, trat am 2. August 1831 mit dem Gutsbesitzer Franz Coppenrath (geb. zu Münster am 7. Mai 1798), der in erster Ehe mit Pauline Plettenberg aus Salzkotten verheiratet gewesen war, vor den Traualtar. Ihr Gatte, der bereits 4 Kinder erster Ehe hatte und seine zweite Ehe mit 10 Kindern gesegnet sah, starb am 4. Dezember 1862, sie selbst am 21. Mai 1888.
Ueber Konrad von Schilgen, den älteren der beiden überlebenden Söhne, werden wir sogleich ausführlicher berichten. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Paul von Schilgen besuchte 1815—1816 das Gymnasium in Münster, trat alsdann in den Militärdienst und wurde auf sein Ansuchen aus diesem am 1. Mai 1839 als Hauptmann mit Ruhegehalt entlassen. Einfach, anspruchslos und bieder von Charakter, wie er war, lebte er seitdem zu Arnsberg bei seinem Bruder Konrad im schönsten Einvernehmen mit diesem und seiner Familie. In den Mahnworten, die dieser Bruder einige Jahre vor seinem Absterben schriftlich an seine Kinder richtete, legt er diesen die Fürsorge für ihren Oheim Paul, der ihm von seiner „frühesten Jugend an ein teurer, lieber Bruder gewesen“ sei und der an allen seinen „Freuden und Leiden stets den innigsten Anteil genommen“ habe, besonders warm ans Herz. Das Geschick hatte es jedoch anders bestimmt. Paul von Schilgen erlag am 19. Januar 1874 in Arnsberg einem Schlaganfall, etwa 11 Monate vor dem Hinscheiden des Bruders.
Konrad von Schilgen
Am 1. Dezember 1798 zu Münster geboren, verlor Konrad von Schilgen im neunten Lebensjahre seine Mutter Pauline von Schilgen geb. zur Mühlen und siedelte 1809 mit seinem Vater Dr. jur. Albert von Schilgen nach Dülmen über. Hier besuchte er zwei Jahre die lateinische Schule, vollendete seine vorbereitenden Studien 1811—1815 am Gymnasium zu Münster und bezog 1816 die dortige Universität. Nachdem er daselbst und in Berlin Rechtswissenschaft studiert und in letzterer Stadt zugleich auch seinen Einjährig-Freiwilligendienst abgemacht hatte, bestand er am 19. Mai 1820 das Auskultator-Examen am Oberlandesgericht zu Münster, arbeitete ebendort 1822—1824 als Referendar, war ein Jahr als Hülfsrichter in Dorsten tätig und wurde am 1. Dezember 1825 zum Hülfsrichter in Arnsberg ernannt. Hier, in der schönen Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Westfalen, sollte er seine bleibende Heimat finden. Am 1. April 1828 wurde er Assessor beim Justizamt, an demselben Datum 1835 Justizamtmann und Direktor des Justizamtes daselbst, trat 1849 als Dirigent der zweiten Abteilung an das zu Arnsberg neu errichtete Kreisgericht über und wirkte als solcher bis 1867, als er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzog.
Als Assessor in Arnsberg gründete Konrad von Schilgen seinen eigenen Hausstand, indem er am 30. Mai 1829 in der Ludgerikirche zu Münster Maria Lindenkampf zum Traualtar führte. Die Großeltern der jungen Frau waren Franz Lindenkampf, Bankier zu Münster († 1798), und seine Ehefrau Maria Theresia geb. Boner, ihre Eltern Franz Arnold Lindenkampf und dessen Gemahlin Elisabeth geb. Brockmann. Der Vater war zur Zeit ihrer Verehelichung bereits gestorben und ihre Mutter mit dem Hofrat Dr. med. Lambert von Münstermann wieder verheiratet. Fünfunddreißig Jahre lebte Konrad von Schilgen an der Seite seiner Gemahlin, die ihm 13 Kinder schenkte, in glücklicher Ehe. Am 10. August 1839 gelang es ihm, durch Ankauf der Wohnung des Geheimrats Esser in Arnsberg ein eigenes Heim für seine Familie zu erwerben. Hier lebte er nunmehr in liebevoller Hingabe an die Seinigen, in deren Kreise er so gerne weilte, und in treuer, gewissenhafter Erfüllung seiner Amtspflichten. Auch fand er noch Zeit, sich viele Jahre lang als Mitglied des Schul- und Propsteikirchenvorstandes zu betätigen. Grüne Oasen in dem Grau und Grau dieses mit Berufs- und Familiensorgen angefüllten Lebens waren die Ferienreisen, die er dann auch als wichtige Ereignisse in seinem Tagebuche mitverzeichnet hat. So besuchte er 1842 mit dem Stiefvater seiner Frau, Hofrat Lambert von Münstermann, Belgien und Holland, 1844 mit seinem Schwager Franz Coppenrath die Schweiz und Norditalien, 1850 mit seiner Frau Ostende und London, 1852 Norderney und Helgoland, 1854 den Rhein bis Heidelberg, 1855 Bad Ems und 1857 wiederum Ostende.
Ein schwerer Schlag traf Konrad von Schilgen, als seine Frau, die seit Herbst 1863 gekränkelt hatte, am 8. März 1864 „nach menschlicher Einsicht noch zu früh“ (schreibt er in seinem Tagebuch) ihm und seinen Kindern durch den Tod entrissen wurde. Alle Kinder waren an ihrem Sterbebette vereinigt, mit Ausnahme von zwei Söhnen, die gegen die Dänen im Felde standen. Hatte sich hier während des Krankenlagers seiner Frau zu der Sorge um diese schon die um seine Söhne in Feindesland gesellt, so sollte letztere Sorge für Konrad von Schilgen in den nachfolgenden Kriegsjahren in erhöhtem Maße wiederkehren. An dem Feldzuge von 1866 nahmen nämlich vier seiner Söhne als Offiziere der Linie und sein Schwiegersohn Ernst Brisken als Landwehroffizier teil. Während er diesmal alle wohlbehalten in die Heimat zurückkehren sah, hatte der Krieg 1870/71 schwerere Prüfungen für ihn vorbehalten. Jetzt standen außer dem genannten Schwiegersohn fünf Söhne unter den Waffen. Drei der letzteren wurden im ersten Kriegsjahr bei Saarbrücken (2. August), bei Wörth (6. Aug.) und Sedan (1. September) bezw. schwer verwundet, und einer von diesen, der jüngste, erlag zwei Monate später im Lazarett zu Wörth, nachdem der tiefgebeugte Vater ihn am Tage vorher besucht hatte, seinen Wunden. Die beiden anderen Söhne blieben ihrem Vater zwar erhalten, doch wurde dieser, der das siebenzigste Lebensjahr bereits überschritten hatte, von den vielen Sorgen und Aufregungen begreiflicherweise stark mitgenommen.
In dieser Stimmung verfaßte Konrad von Schilgen dann eine Mahn- und Denkschrift „An meine Kinder“, in der er ihnen seine letzten Wünsche ans Herz legt und Richtlinien für ihren künftigen Lebensweg gibt. „Mein Begräbnis“, heißt es darin, „wollet Ihr einfach einrichten, wie es bei Eurer Mutter der Fall gewesen. Nur ein einfaches Kreuz, das Zeichen unseres Heiles, setzet auf den mit kurzem Rasen bedeckten Grabhügel, überschattet von einer Traueresche, die mein lieber Sohn Hermann mit seiner glücklichen Hand pflanzen wolle. Sie wird den Meinigen lange genug die Stelle bezeichnen, wo man mich gebettet hat.“ An einer anderen Stelle heißt es: „Der liebe Gott hat mir große Wohlthaten erwiesen. Er gab mir eine fromme, gute Frau, Eure liebe Mutter, deren Andenken Ihr nicht genug in Ehren halten könnt, und er schenkte mir Euch, meine lieben Kinder, und verlieh uns die große Gnade, daß sie sich sämtlich zu guten, braven Menschen ausgebildet haben.“ Nachdem er dann die Mahnung an sie gerichtet hat, in Gottesfurcht und Nächstenliebe ihr Leben weiter zu führen und ihnen die Fürsorge für ihren Oheim, seinen Bruder Paul, dringlich anempfohlen hat, macht er sie zum Schlusse darauf aufmerksam, daß „das nicht ganz unbedeutende Vermögen, das er und ihre Mutter besessen haben, infolge der durch die Erziehung und Ausbildung so vieler Kinder verursachten Unkosten2 zusammengeschmolzen ist“, und legt gewissermaßen als Rechtfertigung über seine Verwendung eine Uebersicht darüber bei. In dem Bewußtsein, seine Pflichten als Familienvater voll und ganz erfüllt zu haben, ging Konrad von Schilgen dann am 11. Dezember 1874, nachdem er seinen Kindern auf dem Sterbebette unter Tränen die Hand zum Abschied gedrückt hatte, ins bessere Jenseits hinüber.
Die dreizehn Kinder des Ehepaars Konrad von Schilgen – Maria Lindenkampf, die alle zu Arnsberg geboren und in der dortigen Propsteikirche getauft wurden, sind nach einem vom Vater aufgestellten Verzeichnisse die folgenden:
- Wilhelm von Schilgen, geb. am 14. Mai 1830. Gevatter: Raban Wilhelm Brockmann, Direktor der kgl. Generalkommission zu Münster (Urgroßvater des Täuflings), und Witwe Maria Theresia Lindenkampf geb. Boner (Urgroßmutter desselben).
- Hermann von Schilgen, geb. am 5. Januar 1832. Gevatter: Dr. med. Lambert von Münstermann, Hofrat in Münster, und Maria Katharina von Schilgen, verehel. Prof. Dr. Anton Sentrup in Münster (Tante).
- Albert von Schilgen, geb. am 12. Oktober 1833. Gevatter: Paul von Schilgen, Pr.-Leutnant (Oheim), und Frau Direktor Raban Wilhelm Brockmann, Sophia geb. Reine (Urgroßmutter).
- Sophia von Schilgen, geb. am 12. Dezember 1834. Gevatter: Frau Direktor Raban Wilhelm Brockmann, vertreten durch Frl. von Holdt, und Paul von Schilgen, Pr.-Leutnant, vertreten durch den Oberförster Danckelmann zu Obereimer.
- Ferdinand von Schilgen, geb. am 29. Januar 1836. Gevatter: Dr. med. Anton Sentrup, Kreisphysikus in Münster, vertreten durch den Oberlandesgerichtssekretär Franz Dierickx in Arnsberg, und Sophia Lindenkampf (Tante), vertreten durch Frl. Hermine von Holdt.
- Julius von Schilgen, geb. am 18. Februar 1837. Gevatter: Wilhelm Boese, Gymnasiallehrer in Warendorf, vertreten durch Bauinspektor Friedrich Boese, und Margaretha von Schilgen, Ehefrau Franz Coppenrath, vertreten durch Frl. Hermine von Holdt.
- Antonia von Schilgen, geb. am 15. Februar 1839. Gevatter: Sophia Lindenkampf, Ehefrau Gymnasiallehrer Wilhelm Boese in Warendorf, vertreten durch Hermine von Holdt, und Franz Coppenrath in Münster, vertreten durch Oberförster Danckelmann in Obereimer.
- Elisabeth von Schilgen, geb. am 6. Januar 1842. Gevatter: Elisabeth Brockmann, Wwe. Hofrat Lambert v. Münstermann, desgl. Franz Arnold Lindenkampf (Großmutter), vertreten durch Hermine von Holdt, und Prof. Dr. Anton Sentrup in Münster, vertreten durch Hauptmann a. D. Paul von Schilgen.
- Franz von Schilgen, geb. am 30. Juni 1843. Gevatter: Franz Coppenrath in Münster, vertreten durch Hauptmann a. D. Paul von Schilgen, und Wwe. Hofrat von Münstermann, vertreten durch Sophia Boese geb. Lindenkampf aus Warendorf.
- Pauline von Schilgen, geb. am 28. Oktober 1844. Gevatter: Margaretha von Schilgen, Ehefrau Franz Coppenrath, vertreten durch die Frau Land- und Stadtgerichtsdirektor Sprickmann-Kerkering, und Hauptmann a. D. Paul von Schilgen.
- Maria von Schilgen, geb. am 28. Dezember 1846. Gevatter: Katharina von Schilgen, Ehefrau Prof. Ant. Sentrup in Münster, vertreten durch Obergerichtsrat Sprickmann-Kerkering, und Hauptmann a. D. Paul von Schilgen.
- Friedrich von Schilgen, geb. am 25. Juni 1848. Gevatter: König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Kabinettsordre vom 8. Juli 1848), vertreten durch Hauptmann a. D. v. Schilgen, Justizkommissar Busch in Warendorf, und Bernardine Sentrup (Base des Täuflings) in Münster, vertreten durch Frau Oberlandesgerichtsrat Sprickmann-Kerkering.
- Alfred von Schilgen, geb. am 14. Dezember 1849. Gevatter: Rechtsanwalt Busch in Warendorf, vertreten durch Hauptmann a. D. Paul von Schilgen, und Frau Prof. Anton Sentrup, Katharina geb. v. Schilgen, vertreten durch Maria Coppenrath in Münster.
Von diesen dreizehn Kindern starb nur eins im zarten Jugendalter. Es ist die unter Nr. 11 vermeldete Maria von Schilgen, die am 16. September 1848 in Arnsberg der Ruhr3 erlag. Alle anderen erreichten ein höheres, die meisten ein hohes und einige ein sehr hohes Lebensalter. Von den vier erwachsenen Töchtern starben zwei unverehelicht, Sophia von Schilgen am 14. September 1870 in ihrem 36. und Elisabeth von Schilgen am 5. November 1921 im achtzigsten Lebensjahr. Pauline von Schilgen lebt seit 1868 als Nonne im Kloster zu Mühlheim a. d. Möhne. Die vierte Tochter, Antonia von Schilgen, verehelichte sich am 26. September 1868 mit Ernst Ludwig Brisken, zu der Zeit Kreisrichter in Fredeburg, Krs. Meschede, später Landgerichtsrat in Arnsberg. Das Ehepaar hatte 13 Kinder. Ernst Brisken, der am 9. Juli 1826 geboren war, starb am 17. November 1899, seine Ehefrau am 20. März 1914. Jedem der beiden Söhne Julius von Schilgen und Friedrich von Schilgen werden wir einen besonderen Abschnitt widmen und über die Lebensschicksale der übrigen sechs im Folgenden kurz berichten.
Wilhelm von Schilgen besuchte das Gymnasium in Arnsberg bis zur Sekunda und trat 1847 als Lehrling bei der Buchhandlung H. Schöningh in Paderborn ein. Nach beendigter Lehrzeit bildete er sich in Krems, Salzburg, Stettin und Münster weiter in seinem Fache aus und brachte im September 1861 die Buchhandlung Friedrich Brisken in Arnsberg käuflich an sich. Von da ab führte er in seiner Vaterstadt als Buchhändler ein schlichtes und einfaches Leben und starb daselbst unverehelicht als Ratsherr am 28. September 1900.
Hermann von Schilgen, der spätere von Schilgen-Pascha, widmete sich, nachdem er seine Vorbereitung auf dem Gymnasium zu Arnsberg empfangen hatte, dem juristischen Studium an der Universität Bonn (1850), München (1851) und Berlin (1852), wo er auch zugleich während eines Jahres seiner Militärpflicht beim 2. Garderegiment zu Fuß genügte. 1854 Auskultator, 1855 Referendar und später Assessor beim Appellationsgericht in Arnsberg, trat er 1860 zum höheren Intendanturdienst über und war nacheinander in Königsberg und Düsseldorf tätig. Als Intendanturbeamter machte er die Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71 mit und verdiente sich im österreichischen Kriege den Roten Adlerorden IV. Klasse, im französischen das Eiserne Kreuz am weißen Band. Nach dem Friedensschluß von 1871 wurde er als Intendanturrat nach Straßburg versetzt. Im Jahre 1881 zum Dienst im türkischen Heere beurlaubt, brachte Hermann von Schilgen es dort bald zum Pascha (später Bali-Pascha) und bekleidete zugleich die Stellung des 1. Adjutanten des Sultans mit Wohnsitz in Pera. Er verließ diesen Dienst 1892 mit dem Range eines Divisionsgenerals, um seinen dauernden Wohnsitz in Arnsberg zu nehmen. Dort lebte er im elterlichen Hause in Einfachheit und größter Zurückgezogenheit, indem er sich zugleich bis in sein höchstes Alter einer außerordentlichen körperlichen und geistigen Frische erfreute. Von 1900—1909 gehörte er dem Kirchenvorstande der katholischen Propsteigemeinde als eifriges Mitglied an. Als solcher hat er in einer geradezu vorbildlichen Neueinrichtung der Kirchenbücher seit 1600 und in einer Neuaufstellung der Stiftungsbücher Werke geschaffen, die in gleicher Korrektheit und Uebersichtlichkeit kaum in einer anderen Pfarrei der Diözese zu finden sein dürften. Papst Pius X. ehrte sein Wirken durch die Verleihung des Kreuzes „Pro Ecclesia et Pontifice“. Im fast vollendeten 89. Lebensjahre starb v. Schilgen-Pascha am 1. September 1920 an den Folgen eines Schlaganfalls, den er wenige Wochen vorher erlitten hatte. Gelegentlich seines Begräbnisses schreibt sein Neffe, der Geh. Kabinettsrat Hans von Schilgen, über ihn: „Am 4. September 1920 bin ich von Nordkirchen nach Arnsberg gefahren zur Beerdigung meines Onkels Hermann v. Schilgen … Ich sah ihn noch aufgebettet liegen, sanft und ruhig. Er war einer aus der alten Generation, bieder und unbeugsam im Rechten, treu und verläßlich, gerade und aufrecht in Gesinnung und Tat. Er half mir in meiner Studienzeit, obwohl er selbst mit Gütern nicht gesegnet war. R. I. P.“
Sein ganzes Leben lang ein Mann des Friedens war der nächste Sohn, Albert von Schilgen, der gerade in dem Augenblick geboren wurde, als der Kronprinz von Preußen, der nachmalige König Friedrich Wilhelm IV., am 12. Oktober 1833, abends 9½ Uhr, unter dem Donner der Kanonen und dem Dröhnen der Glocken in die festlich beleuchtete Stadt Arnsberg einzog. Nach Beendigung seiner Gymnasialzeit in Arnsberg studierte Albert von Schilgen Theologie in Münster (1852), Paderborn (1854), Löwen (1855) und trat dann in das bischöfliche Seminar zu Paderborn, wo er im März 1858 zum Priester geweiht wurde. Nachdem er kurze Zeit Kaplan in Dortmund gewesen war, wirkte er neun Jahre (1860—1869) als Pfarrer der Mission Freudenberg und wanderte im Herbst 1869 nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika aus. Hier war er über 30 Jahre (1870—1901) als Rektor (Pfarrer) der deutschsprachigen katholischen St. Michaelskirche zu Elisabeth, unweit New-York im Staat New-Jersey gelegen, mit unermüdlichem Eifer und großem Erfolge tätig. Tiefbetrauert von seiner ganzen Gemeinde starb er am 8. Juni 1901 im Alexianer-Hospital daselbst an Lungenbluten.
Ganz im Gegensatz zu ihm war sein Bruder Ferdinand von Schilgen zeitlebens ein Mann der Waffen. Auch er machte zunächst das Gymnasium in Arnsberg durch, trat dann jedoch als Achtzehnjähriger im Oktober 1854 in den preußischen Heeresdienst, wo er rasch vorwärts kam. Nachdem er 1863 zum Premier-Leutnant ernannt worden war, machte er im nächsten Jahr als Adjutant im neugebildeten 6. Westfälischen Inf.-Regt. Nr. 55 den Feldzug in Schleswig-Holstein mit und kehrte im Herbst 1864, dekoriert mit dem Roten Adlerorden IV. Kl. mit den Schwertern und dem Lippe-Bückeburgischen Militärverdienstorden, in die Heimat zurück. Am Feldzug gegen Oesterreich nahm er in Böhmen teil als Brigade-Adjutant der 27. Infanterie-Brigade und verdiente sich dort den Kronenorden IV. Kl. mit den Schwertern. In demselben Jahr wurde er zum Hauptmann und Kompagnieführer im 83. Inf.-Regt. ernannt. In dieser Eigenschaft zog er 1870 mit dem Heer des preußischen Kronprinzen nach Frankreich, wo ihm am 6. August in der Schlacht bei Wörth das Eiserne Kreuz II. Kl. zuerkannt wurde. Am 1. September 1870 in der Schlacht bei Sedan schwer verwundet, bedurfte Ferdinand v. Schilgen geraume Zeit zu seiner Genesung. Als weitere Anerkennung seiner Leistungen in diesem Feldzuge verlieh ihm der Fürst von Waldeck im August 1871 das Militärverdienstkreuz. Zu Anfang des deutsch-französischen Krieges verheiratete Ferdinand v. Schilgen sich am 5. August 1870, am Tage vor der Schlacht bei Weißenburg, zu Blenheim mit Klara Hartmann von Hilter, die als Tochter des Gutsbesitzers Ludwig Wilhelm Hartmann und seiner Ehefrau Klara geb. Terheiden am 31. März 1846 geboren war. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder: Konrad (Kurt) von Schilgen, geb. am 4. August 1871, und Klara Paulina Maria von Schilgen, geb. am 26. Februar 1875. Ferdinand von Schilgen wurde am 25. Februar 1885 als Oberstleutnant zu Kassel seiner Familie durch den Tod entrissen. Seine Witwe lebt noch heute mit ihrem unverehelicht gebliebenen Sohn Kurt von Schilgen in Münster, während die Tochter gleichfalls verstorben ist.
Ungefähr dieselbe Laufbahn wie sein Bruder Ferdinand machte anfangs Franz von Schilgen durch. Auch er trat, nachdem er die Reifeprüfung am Gymnasium zu Arnsberg bestanden hatte, 1861 in den preußischen Heeresdienst, besuchte 1862 die Kriegsschule in Erfurt, nahm im 6. Westfäl. Inf.-Regt. Nr. 55 als Sekonde-Leutnant am Feldzug von 1864 und als Bataillons-Adjutant an dem von 1866 teil und kehrte wie sein Bruder aus ersterem mit dem Roten Adlerorden IV. Kl., aus letzterem mit dem Kronenorden IV. Kl., beide mit den Schwertern, wohlbehalten zurück. 1868 zum Hohenzollernschen Füs.-Regt. Nr. 40 (VIII. Armeekorps) versetzt und zum Premier-Leutnant befördert, machte er als solcher den französischen Krieg mit. Er gehörte zu der dritten Kompagnie des genannten Regiments, die bei Saarbrücken drei französischen Divisionen gegenüberstand und diese in der Täuschung über die Stärke der ihnen gegenüberstehenden deutschen Streitkräfte erhielt, bis die erste deutsche Armee sich gesammelt hatte und dem Feinde entgegentreten konnte. In dem Gefecht, das sich dort dann am 2. August entspann, wurde Franz von Schilgen schwer verwundet, indem eine Kugel ihm die rechte Hand durchbohrte, den Daumen und Zeigefinger verstümmelte und die sogenannte Maus wegriß. Durch Pflege im elterlichen Hause war er, wenn auch nicht vollkommen geheilt, in kurzer Zeit soweit wiederhergestellt, daß er sich am 28. August wieder zu seinem Regiment begeben und den Schlachten von Amiens und St. Quentin als einer der Adjutanten des VIII. Armeekorps-Kommandos beiwohnen konnte. In ersterer Schlacht verdiente er sich das Eiserne Kreuz II. Kl., in letzterer das Eiserne Kreuz I. Kl. und erhielt vom Fürsten von Hohenzollern den Hohenzollernschen Hausorden mit den Schwertern. Nachdem Franz von Schilgen dann 1872 zum Hauptmann und Kompagnieführer befördert worden war, berief Fürst Karl Anton von Hohenzollern ihn im Dezember 1874 zum Erzieher seiner Enkel und ernannte ihn zu seinem persönlichen Adjutanten. Dieselbe Stellung bekleidete v. Schilgen unter dessen Nachfolger, Fürst Leopold von Hohenzollern, dem zugleich die Erziehung seines jüngsten Sohnes, des Prinzen Karl, übertragen wurde. Der Fürst veranlaßte seine Beförderung zum Obersten und bei seinem Abschiede zum Generalmajor. Von da ab leitete Franz v. Schilgen den Hofhalt der Fürstin Josephine und von da ab bis 1908 den des Prinzen Friedrich von Hohenzollern in München. Darnach kehrte er nach seiner Vaterstadt Arnsberg zurück, wo er den Rest seines Lebens still und zurückgezogen zubrachte. Er starb bei einem zufälligen Aufenthalt in München-Gladbach am 25. Januar 1917.
Alfred von Schilgen erhielt wie seine Brüder seine Schulbildung auf dem Gymnasium in Arnsberg, das er 1869, nachdem ihm die mündliche Prüfung erlassen worden war, mit dem Zeugnis der Reife verließ. In demselben Jahr trat er in das 5. Hessische Inf.-Regt. Nr. 83 ein, wurde dort von seinem Bruder Ferdinand in dessen Kompagnie zum Soldaten ausgebildet und sollte gerade zur Kriegsschule in Potsdam abgehen, als der deutsch-französische Krieg ausbrach. Voll Begeisterung zog er mit ins Feld und nahm als Fähnrich, der Offiziersdienste tat, am 6. August 1870 an der Schlacht bei Wörth teil. Hier zerschmetterte ihm eine Kugel den rechten Oberschenkel, und nach acht langen, qualvollen Wochen erlag der Arme, der am 1. September zum Leutnant befördert worden war, am 9. Oktober seinen Wunden. Er liegt auf dem katholischen Friedhof in Wörth begraben, wo in der katholischen Kirche eine alljährlich am 4. Oktober zu haltende Memorienmesse für ihn gestiftet wurde.
Julius von Schilgen
Dieser fünfte Sohn des damaligen Justizamtmanns Konrad von Schilgen und seiner Ehefrau Maria geb. Lindenkampf, geboren zu Arnsberg am 18. Februar 1837, besuchte wie alle seine Brüder zunächst das Gymnasium seiner Vaterstadt, wo er in allen Klassen Primus war und eine besondere Vorliebe für alte Sprachen, insbesondere Griechisch, an den Tag legte. Nach erlangtem Reifezeugnis studierte er Rechtswissenschaft in Heidelberg (1855), Bonn (1856) und Berlin (1857—1859). Hier machte er zugleich auch seine einjährige Dienstzeit ab und erhielt seinen Abschied als Landwehroffizier. Seit 1862 beim Appellationsgericht in Arnsberg als Referendar tätig, bestand er ein Jahr später seine dritte juristische Prüfung und wurde Gerichtsassessor. Nachdem der österreichische Krieg, aus dem er als Premier-Leutnant und mit dem Kronenorden IV. Kl. mit den Schwertern zurückkehrte, seine juristische Laufbahn im Sommer 1866 für kurze Zeit unterbrochen hatte, war er zunächst eine Zeitlang am Kreisgericht in Arnsberg und dann (1867 und 1868) vorübergehend als Gerichts-Kommissar in Warstein sowie in Attendorn tätig.
Unterdessen hatte Julius von Schilgen sich 1866 mit Frl. Bertha Engelen, Tochter des Gutsbesitzers Karl Engelen zu Oedingberge bei Glandorf (Bez. Osnabrück), verlobt, doch starb seine Braut im nächsten Jahre. Mit deren Schwester Josefa Engelen, die er auf seinen Besuchen in Oedingberge kennen gelernt hatte, ging er nun ein neues Ehegelöbnis ein und vermählte sich mit ihr am 8. Oktober 1868 in der Klemenskirche in Hannover, wo die seit dem vorhergehenden Jahre verwaiste Braut im Hause ihrer Vatersschwester, Frau Staatsminister Ludwig Windthorst, Juliane geb. Engelen, zur Zeit weilte. Am Tage seiner Vermählung erhielt Julius von Schilgen die Nachricht, daß er zum Kreisrichter zu Glatt in Hohenzollern ernannt sei. So trat denn das junge Paar bald darauf seine Reise zum deutschen Süden an und fand für die nächsten fünf Jahre ein Heim im schönen schwäbischen Lande. Eine Unterbrechung brachte wieder der französische Krieg, doch blieb der junge Ehemann, der bereits Vater von zwei Kindern war, während desselben zur Bewachung der Gefangenen in Mainz.
Das Jahr 1873 brachte wieder eine große Veränderung. Der Kreisrichter v. Schilgen wurde in der gleichen Eigenschaft nach Groß-Salze, am Rande der Magdeburger Börde in der Provinz Sachsen, versetzt, und die nunmehr aus 6 Köpfen bestehende Familie mußte in einen ihr wildfremden Landesteil im deutschen Osten übersiedeln. Nachdem er dort vier Jahre das Kreisrichteramt ausgeübt hatte, wurde Julius von Schilgen 1877 daselbst zum Kreisgerichtsrat ernannt und 1879 als Amtsgerichtsrat nach Halle a. S. versetzt. An letzterem Orte blieb er jedoch nur zwei Jahre, indem er 1881 ein Anwesen in der aufblühenden Bergwerksstadt Staßfurt kaufte und sich dort als Notar niederließ. Hier im eigenen Heim war es ihm vergönnt, noch reichlich 30 Jahre an der Seite seiner Gattin zu leben und seine zahlreiche Familie heranwachsen zu sehen. 1905 wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Kl., 1907 der Titel eines Geheimen Justizrats verliehen. Julius von Schilgen starb am 25. Dezember 1912 in seinem 76. Jahre. Seine Witwe, Frau Josefa von Schilgen geb. Engelen, lebt nach vollendetem 81. Lebensjahr gegenwärtig in Berlin. Dreizehn Kinder wurden diesem Ehepaar an den verschiedenen Orten, wohin die amtliche Stellung des Vaters die Familie führte, geboren. Ihre Namen sind folgende:
- Hans von Schilgen, geb. zu Glatt in Hohenzollern am 9. September 1869.
- Maria von Schilgen, geb. daselbst am 5. Juli 1870.
- Albert von Schilgen, geb. daselbst am 31. August 1871.
- Paul von Schilgen, geb. daselbst am 27. März 1873.
- Paul von Schilgen, geb. zu Bad Elmen (Alt-Salze) am 12. August 1874.
- Georg von Schilgen, geb. zu Groß-Salze am 14. Juni 1876.
- Maria von Schilgen, geb. daselbst am 7. November 1877.
- Kurt von Schilgen, geb. daselbst am 10. März 1879.
- Klaus von Schilgen, geb. zu Halle a. S. am 7. März 1880.
- Margaretha von Schilgen, geb. daselbst am 29. Mai 1881.
- Anna von Schilgen, geb. zu Staßfurt am 16. April 1882.
- Ludwig von Schilgen, geb. daselbst am 26. Januar 1883.
- Cilli von Schilgen, geb. daselbst am 9. Oktober 1886.
Drei von diesen Kindern, nämlich die unter Nr. 2, 4 und 6 genannten, sind in ihrer frühesten Jugend gestorben; zehn, und zwar sechs Söhne und vier Töchter, leben noch. Von den Töchtern verheiratete sich Maria von Schilgen, die zweite dieses Namens, am 10. Juni 1896 mit Dr. jur. Philipp Marcks (geb. zu Magdeburg am 4. Juli 1869). Von den sechs Kindern dieses Ehepaars mußte der älteste Sohn, Gerhard Marcks, 1915 beim Sturmangriff bei Soissons als Kriegsfreiwilliger im Alter von 17½ Jahren sein junges Leben lassen. Margaretha von Schilgen blieb unverehelicht. Anna von Schilgen verheiratete sich am 18. September 1907 in Southsea-Portsmouth (England) mit Edward Mitchell Foster, einem Engländer, und brachte die Kriegsjahre 1914—1918, als sie infolge des englischen Kriegsdienstes ihres Mannes von jeglicher Verbindung mit diesem abgeschnitten war, in Düsseldorf zu. Die jüngste Tochter, Cilli von Schilgen, trat am 26. November 1917 mit Thilo Ludwig Edel von Westernach in der Jesukirche zu Charlottenburg vor den Traualtar.
Hans von Schilgen, der älteste Sohn, der am 9. September 1869 zu Glatt geboren wurde, kam im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern nach Alt-Salze und kurz darauf nach Groß-Salze, Prov. Sachsen, sechs Jahre später aber nach Halle a. S. Hier besuchte er die unteren Klassen des Gymnasiums, genoß nach der Uebersiedelung der Familie nach Staßfurt, wo die Verhältnisse zu wünschen übrig ließen, eine Zeitlang Privatunterricht bei dem Pfarrer zu Calbe a. Saale, kam 1883 in das bischöfliche Knabenkonvikt, und 1885 in das Konvikt zu Münster, wo er das Reifezeugnis erwarb. Im Herbst desselben Jahres bezog er die Universität München und widmete sich dort durch 25 Semester dem Studium verschiedener Wissenschaften. Er studierte hauptsächlich Philosophie und Geschichte, sodann alte und neuere Sprachen und zuletzt Neuphilologie, in welch letzteren Fächern er das Staatsexamen mit Auszeichnung bestand. Auf Veranlassung des damaligen Staatssekretärs von Richthofen übernahm Hans v. Schilgen im Jahre 1902 das Amt des Erziehers bei den Söhnen des Prinzen Johann von Arenberg auf Schloß Pesch bei Düsseldorf. Dort verblieb er zehn Jahre und weilte während dieser Zeit mehrfach zu längerem Aufenthalt in England. Sodann berief der Herzog Engelbert von Arenberg ihn als Leiter seines Geheimkabinetts nach Schloß Nordkirchen und Brüssel. Diese Stellung legte er 1921 nieder und wählte sich Detmold, wo er ein eigenes Heim erwarb, als seinen Wohnort. Neun Jahre früher, am 4. September 1912, hatte Hans von Schilgen sich mit Frl. Anna Engelen in der Johanneskirche zu Osnabrück vermählt. Seine Gattin wurde als Tochter des Geheimrats Karl Engelen (eines Vetters der Frau Justizrat Julius v. Schilgen, Josefa geb. Engelen) und seiner Frau Maria geb. Linnemann am 7. November 1892 zu Quakenbrück geboren. Dieser Ehe sind folgende vier Kinder entsprossen: Maria Anna (Amai) von Schilgen, geb. auf Schloß Nordkirchen am 30. Juni 1913; Margaretha von Schilgen, geb. zu Osnabrück am 25. Januar 1915; Hans-Karl von Schilgen, geb. zu Dortmund am 9. Juli 1916; und Elisabeth von Schilgen, geb. daselbst am 29. März 1919.
Die übrigen fünf Söhne des Justizrats Julius v. Schilgen und seiner Gemahlin Josefa geb. Engelen weilen sämtlich im Auslande. Albert von Schilgen, der sich jahrelang in Deutschland als eifriger Turfsportsmann und Rennstallbesitzer betätigt hatte, wanderte 1923 mit seinem Bruder Klaus von Schilgen nach Brasilien aus. Dieser hatte schon eine Reihe von Jahren in jenem Lande gewohnt und gelegentlich eines Besuches, den er in Europa machte, begleitete sein erstgenannter Bruder ihn nach Südamerika. Beide wohnen in Victoria, Prov. Espiritu Santo. Klaus v. Schilgen verehelichte sich daselbst am 27. September 1924 mit Laura Lindenberg aus der dortigen deutschen Kolonie. Paul von Schilgen hat seit vielen Jahren seinen Wohnsitz in Brasiliens Hauptstadt Rio de Janeiro, wo er sich am 16. März 1910 mit Moema Junqueira verheiratete. Kurt von Schilgen wanderte nach Nordamerika aus und trat im November 1904 zu New York mit Elisabeth Pöhl in die Ehe. Das Paar wohnt in Bronxville bei New York und hat zwei Kinder: Elisabeth von Schilgen, geb. am 24. März 1906, und Klemens von Schilgen, geb. am 12. Januar 1909. Ludwig von Schilgen wohnte eine geraume Zeit in Brasilien, wo er sich am 26. Juni 1905 in Rio de Janeiro mit Leonarda Silva Veiga, verwitwete Guignard, verheiratete. Seine Frau brachte zwei Stiefkinder, Alberto Guignard und Leonor Guignard, mit in die Ehe. Vor etwa 12 Jahren kam Ludwig von Schilgen mit seiner Familie nach Europa und befindet sich dort seit dieser Zeit fast beständig auf Reisen.
Friedrich von Schilgen
Als siebenter Sohn des Justizamtmanns Konrad von Schilgen und seiner Gemahlin Maria geb. Lindenkampf am 25. Juni 1848 zu Arnsberg geboren, wollte Friedrich von Schilgen, nachdem er das Reifezeugnis am Gymnasium seiner Vaterstadt erworben hatte, sich anfangs dem geistlichen Stande widmen. Er bezog zu diesem Zwecke 1866 die Universität Bonn, sattelte jedoch bald um und studierte Rechtswissenschaft in Berlin und Greifswald. 1869 wurde er Auskultator, 1870 Referendar am Appellationsgericht in Arnsberg, war dann Kreisrichter in Bitterfeld, Prov. Sachsen, Amtsgerichtsrat in Siegen, seit etwa 1882 Oberlandesgerichtsrat in Hamm und wurde um 1899 zum Landgerichtspräsidenten in Arnsberg ernannt. Hier in seiner Vaterstadt verbrachte er den Rest seines Lebens. Nachdem er 1918 auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt worden war, starb er am 17. März 1925 als Geh. Oberjustizrat und Ritter des Roten Adlerordens II. Kl. mit Eichenlaub sowie des Kronenordens II. Kl.
Friedrich von Schilgen war zweimal verheiratet. Am 20. November 1875 trat er zu Herford mit Anna Lücken (geb. zu Halle i. W. am 15. Januar 1855) in die Ehe, und nachdem ihm diese Gattin am 20. Oktober 1909 durch den Tod entrissen worden war, am 6. Juni 1911 zu Paderborn mit Maria Lücken (geb. zu Bedburg am 18. September 1879), einer Base seiner ersten Frau. Diesen beiden Ehen entsprossen folgende Kinder:
a) Kinder 1. Ehe (Anna Lücken)
- Anna von Schilgen, geb. zu Bitterfeld am 27. August 1876.
- Alfred von Schilgen, geb. daselbst am 15. August 1878.
- Fritz von Schilgen, geb. zu Attendorn am 19. Juni 1881.
- Else von Schilgen, geb. zu Arnsberg am 24. Mai 1883.
- Ernst von Schilgen, geb. zu Siegen am 9. Oktober 1888.
- Heinrich von Schilgen, geb. daselbst (?) am 27. August 1890.
- Franz von Schilgen, geb. zu Hamm i. W. am 16. Juni 1895.
b) Sohn 2. Ehe (Maria Lücken)
- Hermann von Schilgen, geb. zu Arnsberg am 4. April 1914.
Die älteste Tochter, Anna von Schilgen, vermählte sich am 5. Nov. 1901 mit Karl Mertz, Notar in Mayen (Rheinprov.), gegenwärtig Köln-Mülheim (geb. zu Lobberich am 5. Dezember 1870), die zweite, Else von Schilgen, am 22. September 1908 mit Theodor Peitz, Regierungsrat in Coesfeld, geb. zu Fredeburg am 18. Juli 1879.
Alfred von Schilgen, der älteste Sohn, zog im Weltkrieg als Hauptmann des Res.-Inf.-Reg. Nr. 15 ins Feld. Nach der Erstürmung von Maubeuge erhielt er im Sept. 1914 das Eiserne Kreuz II. Kl. und für ganz hervorragende Tapferkeit und Umsicht bei der Erstürmung der Beaulner Höhen südlich von Laon Weihnachten 1914 das Eiserne Kreuz I. Kl. Außerdem wurden ihm der Hohenzollernsche Hausorden mit Krone und Schwertern, das Verwundetenabzeichen und vier andere Auszeichnungen im Laufe des Krieges verliehen. Nach Friedensschluß wurde er als Major in den Ruhestand versetzt, nahm jedoch zur Zeit der spartakistischen Unruhen als Führer eines von ihm gebildeten Freiwilligenkorps zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern des Landes teil. Kurz vor Ausbruch des Krieges führte Alfred von Schilgen am 22. Januar 1914 Frl. Elly Schlüter (geb. zu Werl am 11. Februar 1882) zum Traualtar. Das Ehepaar wohnt in Münster und hat einen Sohn: Wolf Egon von Schilgen, geb. am 29. September 1917.
Fritz von Schilgen trat im Mai 1899 als Fahnenjunker beim Inf.-Reg. zu Münster ein, wurde dort Leutnant und Oberleutnant. 1910 erbat er als Oberleutnant seinen Abschied und bereiste England, Holland, Belgien, Frankreich und Nordafrika (Sahara, Marokko), wo er sich etwa 1½ Jahre aufhielt. Vom Herbst 1913 bis Mai 1914 unternahm er Vortragsreisen durch West- und Süddeutschland über das Thema: Die französische Fremdenlegion. Gleich zu Anfang des Krieges rückte er am 6. August 1914 mit dem Landw.-Inf.-Reg. Nr. 12 ins Feld, nahm teil an dem Vormarsch durch Belgien, der Marneschlacht, der Schlacht bei Soissons (Jan. 1915), dem Stellungskampf bei Noyon, dem Siegfried-Rückzug, dem Stellungskampf in Galizien, dem Vormarsch durch die Ukraine und Krim zum Kaukasus, den letzten Kämpfen in Mazedonien, besonders am Doiran-See, und endlich an dem Rückzug mit Gefechten durch Serbien und Ungarn. Im Oktober 1914 zum Hauptmann befördert, erhielt Fritz v. Schilgen als Major seinen Abschied vom Heer. An militärischen Auszeichnungen wurden ihm u. a. das Eiserne Kreuz II. und I. Kl. sowie das Offizierkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen. Nach dem Kriege war er in der Presse-Abteilung des Deutschen Offizierbundes, ebenso als Mitarbeiter an verschiedenen Berliner Zeitungen tätig, und vor kurzem hat er die Intendanz der „Nationalen Landesbühne“, eines Wandertheaters mit nationalen Zielen, übernommen. Major a. D. Fritz von Schilgen vermählte sich am 25. Mai 1925 in Berlin-Mariendorf, wo er auch gegenwärtig seinen Wohnsitz hat, mit Frl. Janet Ropers, die als Tochter des Gutsbesitzers Paul Ropers und seiner Ehefrau Janet geb. Möhring am 12. Mai 1895 zu Lühe in Hannover geboren wurde. Seine Frau, die sich für Kunstgewerbe interessiert, hat vor einiger Zeit unter der Firma „J. von Schilgen“ ein Exportgeschäft in kunstgewerblichen Sachen gegründet.
Ernst von Schilgen, der bei Kriegsausbruch Gerichtsreferendar in Arnsberg war, mußte am 29. August 1914 bei Le Sourd als Vizefeldwebel der Reserve und Offiziersstellvertreter sein Leben fürs Vaterland lassen. Heinrich von Schilgen wohnt als Maler in Düsseldorf. Franz von Schilgen machte den Weltkrieg als Leutnant im Feldart.-Reg. Nr. 59 (Köln) und als Fliegeroffizier mit. An Auszeichnungen wurden ihm das Eiserne Kreuz, das Fliegerabzeichen sowie das Verwundetenabzeichen zuteil. Er betätigt sich gegenwärtig zu Delmenhorst i. Old. im kaufmännischen Beruf. Das jüngste Söhnchen, Hermann von Schilgen, ist bei seiner Mutter in Arnsberg und besucht das dortige Gymnasium.
Fußnoten
- Dr. jur. Johann Schilgen, Bürgermeister zu Rheine, der Stammvater aller Mitglieder der Familie Schilgen bezw. von Schilgen. ↩
- Sieben Söhne hatten volle Gymnasialbildung, einer eine solche bis Prima und vier derselben akademische Bildung (drei als Juristen und einer als Theologe) empfangen, während vier Töchter höheren Unterricht auf der Bürgerschule in Arnsberg und drei von diesen außerdem solchen auf auswärtigen Bildungsanstalten genossen hatten. ↩
- Diese ansteckende Krankheit scheint zu dieser Zeit wohl mehr in Arnsberg geherrscht zu haben, denn 1857 waren nach den „Familien-Notizen“ Konrads von Schilgen auch seine beiden Söhne Hermann und Albert, ersterer schwer und letzterer leichter, daran erkrankt. ↩