Die Familie Schilgen in Köln
Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise des Originals weggelassen.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts treffen wir Ewald Schilgen als den ältesten mit Sicherheit nachweisbaren Stammvater der Familie in Köln an. Sein Name wird unterschiedlich Scheltges, Schelgens, Schiltgens usw. geschrieben; auch kommt er einmal unter der Bezeichnung Ewald von Neuß vor. Ließ sich hieraus schon auf Neuß als seinen Herkunftsort schließen, so gibt uns seine Vermeldung als Ewald Schelgens von Neuß, unter der er uns in einer von der ersten vollständig unabhängigen Quelle entgegentritt, volle Gewißheit darüber, daß er in der Tat von dort stammte. In ähnlicher Weise wird seine Ehefrau Helene Ohligschlegers öfter nach ihrem Heimatorte Helena von Grevenbroch oder einfach Helena Grevenbroch bezw. Grefenbroch genannt. Sie besaß Erbgüter in ihrer Geburtsstadt Grevenbroich und, wie es scheint, zugleich auch im benachbarten Neuß. Am 11. Mai 1601 erhalten nämlich folgende vier Personen: die Witwe Gerhardt Grevenbruch, Ewaldt Schelgenß von Neuß, Johan von Morß und Arnold Mohr von einer Frau, die eine Leibzucht daran hatte, den Auftrag, ein Haus an der Oberstraße zu Neuß, das ihnen durch letztwillige Verfügung als Erbteil zugefallen war, zu verkaufen und den Ertrag unter einander zu verteilen. Daß Ewald Schilgen hier neben einer Witwe Grevenbruch oder Grevenbroich als Erbe auftritt, läßt den Schluß zu, daß die Erbschaft von seiner Frau Helene Grevenbroch herrührte. Ueber den Beruf Ewald Schilgens erfahren wir nichts Bestimmtes, doch kann man einigermaßen auf den gesellschaftlichen Stand der Eheleute Schilgen schließen aus dem Umstande, daß Georg von Mörs, Ratsherr, und andere angesehene Bürger der Stadt Köln zu ihrer Verwandtschaft zählten.
Ewald Schilgen und seine Ehefrau Helena wohnten in der St. Kolumba-Pfarre, wo auch ihre beiden folgenden Kinder getauft wurden: Johann Schilgen, getauft am 11. Oktober 1599 (Taufpaten Johann von Aachen und Gertrud Geilskirchen, später Ehefrau des Kölner Ratsherrn Georg von Mörs, außerdem Melchior Lotze und Matthias Duisterloh), und Christina Schilgen, getauft am 15. Januar 1602 (Taufpaten Peter Heeß, Maria Bineiden und Sophia von Grevenbroich); hier wird der Vater einfach Ewald von Neuß, die Mutter Helena von Grevenbroch genannt.
Beide Eltern waren am 8. Dezember 1608 bereits verstorben, und allem Anschein nach auch ihr Töchterchen Christina. Johann von Aachen und Goddert Weierstraß treten nämlich an diesem Tage auf als gerichtlich angeordnete Vormünder des minderjährigen Kindes (Johann) der verstorbenen Eheleute Ewalt Schiltgens und Helena Oligschlegers, indem sie dem Kölner Bürger Gerhart Kemmerling Vollmacht geben, die in Grevenbroich gelegenen Erbgüter ihres Mündels zu übertragen. Lieber dieses selbst erfahren wir dann eine Reihe von Jahren nichts, bis sein Taufpate und Vormund Johann von Aachen am 30. Oktober 1625 vor Bürgermeistern und Rat der reichsfreien Stadt Köln erscheint und ihm ein Zeugnis seiner ehelichen Geburt von christlichen Eltern freien Standes und „guten, ehrlichen Handels und Wandels" von der Stadtbehörde erwirkt. Der Vormund nennt Johan Schildtgen, Sohn des ehrsamen Ewald Schildtgen und seiner Ehefrau Helena von Grevenbroch, bei dieser Gelegenheit seinen Vetter, was in der damaligen Sprache oft als Neffe zu deuten ist. Am 18. März 1624 wird dann auch „Joannes Scheiltgen", Sohn der Eheleute Ewald Schiltgen und Helena Oligschlegers, als Bürger, ehelich geboren und in St. Kolumba getauft, indem er Georg von Morß und Jan van Achen als Zeugen beigebracht und seine Befähigung dargetan hat, zum Eide auf die Rolle zugelassen und als Bürger angenommen.
Reichlich zwei Jahre später trat Johann Schiltgen mit Gertrud Geul in den Ehestand. Die Trauung wurde am Pfingstmontag, den 1. Juni 1626, in der Kirche St. Lupus vollzogen, und der Bräutigam brachte einen Entlassungsschein (dimissoriales) vom Pfarrer von St. Pankratius. Die junge Ehefrau war die Tochter des Kölner Bürgers Gereon Geul und seiner Gattin Anna Flandrian von Neukirchen. Der letzteren Vater, Adolf Flandrian, war Gerichtsschreiber des Amtes Miseloe, einer ihrer Brüder, Wilhelm Flandrian von Neukirchen, einfach Neukirchen genannt, Lizentiat in Köln. Nach dem Tode Gereon Geuls zogen Tochter Gertrud und deren Ehemann Johann Schildtgen am 16. November 1626 in das Haus „zum Horne" an der Breitestraße, mit dem eine Brauerei verbunden war, als Kindstatt ein. Mit Zustimmung der noch lebenden Mutter bezw. Schwiegermutter Anna Flandrian, die das Haus von ihrem Vater Adolf Flandrian geerbt hatte, verkauften die Eheleute Schildtgen es am selben Tage an den Brauer Wolter Bergh. Nicht lange vorher, am 14. Februar 1628, hatten sie zwei Häuser an der Schildergasse erworben, von denen eines zwei Wohnungen umfaßte. Auf zeitweiligen Mangel an flüssigen Geldmitteln läßt auf jeden Fall der Umstand schließen, daß sie am 2. September 1630 ihr Eigentum an der Schildergasse mit einer Hypothek belasteten, die erst am 17. Dezember 1658 wieder abgelöst wurde. Ihren Wohnsitz hatten die Eheleute Schildtgen zunächst in der St. Laurentiuspfarre, wo sie am 26. November 1628 noch wohnten; 1631 finden wir sie in der Pfarre St. Alban, und da sie 1639 das Haus „zum Goldgulden" in der Schildergasse bewohnten, werden sie wohl kurz nach dem Erwerb der oben genannten Häuser ihren Wohnsitz in einem derselben genommen haben.
Ihr Wohnhaus wird 1639 als „Hospitium unter dem Helm in floreno aureo" bezeichnet. Da Johann Schiltgen kurz nach seiner Verehelichung, am 11. Dezember 1626, die Weinzapf-Gerechtigkeit anmeldete, hat er wahrscheinlich ein Gasthaus in der Schildergasse gehalten. Freilich wird er in dem am 14. Dezember 1626 von ihm und seiner Ehefrau aufgerichteten Testament als Kaufmann (kaüffhendtler) und 1706 seine noch lebenden Kinder als die Erben des „Postmeisters" Schilgen bezeichnet, doch löst sich dieser scheinbare Widerspruch leicht auf, wenn wir annehmen, daß er wirklich Kaufmann war, dann aber eine Posthalterei annahm und, wie es damals stets der Fall war, ein Gasthaus damit verband. Die Ueberlieferung, daß er Postmeister gewesen sei, war stets in der Familie wach geblieben. Unter den Postmeistern der kaiserlichen (Thurn- und Taxischen) Post in Köln, die ihr Kontor 1665 an der Thönisgasse hatte, wird Johann Schilgen jedenfalls nicht vermeldet. Sollte die Stadt Köln eine eigene Post besessen haben, deren Leitung in seiner Hand lag?
Nach dem Tode ihrer Mutter bezw. Schwiegermutter Anna Flandrian erbten Gertrud Geul und ihr „Ehewirth" Johannes Schiltgen am 6. Juni 1647 noch zwei Häuser an der Waldemansgasse: eins, worin Gereon Geuls Witwe bis dahin gewohnt hatte, und ein anderes, das als Vierfamilienhaus („eine Wohnung von vier Wohnungen") bezeichnet wird und auf dem Hofe hinter dem Haus „zum Aren" (Aar, Adler) lag. In das erstgenannte Haus, das die Bezeichnung „zum Bock" oder „zum schwarzen Bock" führte, muß die Familie, wie wir aus der Veränderung der Pfarrkirche bei Kindtaufen schließen, zwischen dem Frühjahr 1648 und dem Sommer 1650 übergesiedelt sein.
Die Ehe des Postmeisters Johann Schilgen und seiner Gattin Gertrud Geul war eine mit Kindern reich gesegnete; nicht weniger als dreizehn Sprossen dieses Ehepaars stehen in den Registern verschiedener Kirchen der Kölner Altstadt als Täuflinge verzeichnet. Es sind die folgenden:
- Anna, getauft Köln (St. Laurenz), 1627 März 6. Paten: Henricus Flura und Anna.
- Johannes, getauft Köln (St. Laurenz), 1629 November 6. Paten: Brollmann und Margarethe Kram.
- Wilhelm, getauft Köln (St. Alban), 1630 Oktober 28. Paten: Wilhelm Crackren und Clara.
- Catharina, getauft Köln (St. Alban), 1631 September 30. Paten: Petrus Heimbach und Catharina Flandrian.
- Agnes, getauft Köln (St. Alban), 1633 Dezember 26. Paten: Heinrich Deus und Agnes Sontgens.
- Hermann, getauft Köln (St. Alban), 1635 Dezember 4. Paten: Hermann Schulgen, Sekretär der Stadt Köln, und Catharina Ennings.
- Christian, getauft Köln (St. Alban), 1638 März 12. Paten: Christian Niveren und Gertrud Dic.
- Anna Margaretha, getauft Köln (St. Alban), 1640 Juni 10. Paten: Johann Lußekirchen und Anna Bottermann.
- Wilhelm, getauft Köln (St. Alban), 1643 März 30. Paten: Wilhelm Gaßll, Ratsherr, und Magdalena Rosberg, Ehefrau Helman.
- Johannes, getauft Köln (St. Alban), 1645 September 22. Paten: Dr. Johannes Longovius und Sybilla Kettenis.
- Maria, getauft Köln (St. Alban), 1648 März 21. Paten: Maria Volpi gnt. Ingeweils (?) und Johannes Broch.
- Gerhard, getauft Köln (St. Lupus), 1650 Juni 11. Paten: Herr Gerhardus Pfingsthorn und Christine Effern gnt. Ellers.
- Gerhard Joseph, getauft Köln (St. Lupus), 1653 April 5. Paten: Gerhard von Imstenrath und Katharina Brassarts.
Die unter 3, 8 und 13 vermeldeten Kinder sind in früher Jugend verstorben, die übrigbleibenden zehn wuchsen zu tüchtigen Männern und Frauen heran. Von den vier Töchtern verehelichten sich drei, und eine trat in einen Frauenorden, während sämtliche sechs Söhne akademischen Unterricht genossen und vier aus ihnen sich dem geistlichen Stande widmeten. Ein beredtes Zeugnis für den christlichen Geist, der in dem Hause des Postmeisters Schilgen herrschte! Zugleich gibt es auch Kunde von beträchtlichem Wohlstand, zu dem die Eltern es gebracht haben müssen, zumal da sie ihren gesamten Grund- und Hausbesitz schuldenfrei an ihre Kinder vererben konnten. Die Häuser an der Schildergasse fielen diesen nach dem Tode ihres Vaters Johann Schilgen 1664, die an der Waldemansgasse nach dem Absterben der Mutter 1675 zu.
Die älteste Tochter Anna Schilgen verheiratete sich am 4. Februar 1655 in St. Lupus mit Philipp Leman oder Le Mang. Von 1654 bis 1664 wurden 5 Kinder dieses Ehepaars in Köln getauft, das erste in St. Alban und die vier anderen in St. Peter. Bereits vor der Geburt des letzten Kindes oder kurz darauf wurde der Vater „bey damahliger pestzeiten von Tod übereilet". Was aus seiner Frau und den Kindern geworden ist, erhellt aus keiner bisher gefundenen Aufzeichnung, doch weilte 1675 anscheinend weder sie noch eins von ihren Kindern noch unter den Lebenden. Am 15. Juli 1706 weiß dasselbe Schreinsbuch, dem wir die Nachricht von dem Ableben Philipp Le Mangs verdanken, nur noch über ihn zu berichten, daß er „ein frembder aus Frankreich gebürtig gewesen und wenige Zeit allhier (in Köln) sich aufgehalten (habe)… auch von demselben keine erben vorhanden" seien.
Bei der ersten Erbteilung, die nach dem Tode des Vaters Johann Schilgen am 20. August 1664 stattfand, finden wir die zweite Tochter Katharina Schilgen mit Dieterich Wichterichs verheiratet. Zugleich erfahren wir dann auch, daß dieses Ehepaar die Weinzapf-Gerechtigkeit auf sich genommen hat, woraus wir schließen dürfen, daß sie die Gastwirtschaft und möglicherweise auch die Posthalterei weiterführten. Bei der zweiten nach dem Tode der Mutter am 14. Juni 1675 abgehaltenen Erbteilung tritt Katharina Schilgen an der Seite ihres Ehemanns Heinrich Newers als Erbin auf; Dieterich Wichterichs war also inzwischen gestorben und sie zur zweiten Ehe geschritten. Von ihren Nachkommen wird nur eine Tochter erster Ehe, Maria Elisabeth Wichterichs, erwähnt; mit ihrem Ehemann Jakob Dahmen erwarb sie am 9. August 1706 das eine Schilgensche Haus an der Waldemansgasse.
Agnes Schilgen, die dritte Tochter, nimmt 1664 an der ersten Erbteilung mit ihrem Ehemann Melchior Klein teil; bei der Erbteilung am 14. Juni 1675 wird sie allein erwähnt, doch war sie am 25. Juni 1677 bereits verstorben. An diesem Tage erkennen nämlich die Gebrüder Schilgen ihrem Schwager Melchior Klein den ihm vom Kindsteil seiner verstorbenen Ehefrau noch zustehenden Betrag von 592 kölnischen Talern zu, wofür dieser auf alle ferneren Ansprüche auf die Schilgensche Erbschaft verzichtet. Bei Gelegenheit einer Eigentumsübertragung, die am 6. Mai 1695 statthatte, erfahren wir, daß Melchior Klein damals zum zweiten Male verheiratet war; erwähnt wird auch, daß die beiden aus seiner ersten Ehe mit Agnes Schilgen stammenden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, ins Kloster getreten sind.
Deren Muhme, Maria Schilgen, die vierte Tochter von Johann Schilgen und Gertrud Geul, war ihnen hierin mit ihrem Beispiele vorangegangen. Bei der ersten Erbteilung von 1664 wird sie als Sechzehnjährige bereits als „professa" im Kloster zum Lämmchen auf der Burgmauer vermeldet, und als Nonne dieses Klosters geschieht ihrer auch bei der zweiten Erbteilung 1675 sowie im Testamente ihres Bruders Hermann am 9. November 1689 Erwähnung.
Von den sechs Söhnen des Postmeisters Johann Schilgen war der ältere Johannes im Alter von 11 Jahren Schüler auf der „Infima" der Lateinschule (Gymnasium Tricoronatum); 1642 finden wir ihn in der „Rhetorica" und zwei Jahre später in der „Logica" derselben Lehranstalt. Vermutlich ist er 1645 in den Kreuzbrüderorden zu Marienfrede (Ksp. Dingden) eingetreten, was auch wohl der Anlaß war, daß die Eltern ihrem am 22. September desselben Jahres geborenen Sohne wiederum den Namen Johannes beilegten. 1676 finden wir den älteren Johannes, d. i. F. Johannes Schilgen vom Kreuzbrüderkloster zu Bentlage bei Rheine i. W., die katholische Seelsorge im Städtchen Neuenhaus in der Niedergrafschaft Bentheim ausüben. Es war ihm hier die wichtige, wenn auch vorläufig wenig aussichtsvolle Aufgabe zugefallen, die reformierten Einwohner zum katholischen Bekenntnis zurückzuführen, das der Erbgraf Arnold Moritz Wilhelm von Bentheim selber ein Jahr zuvor wieder angenommen hatte. In seinem Schlosse zu Neuenhaus, das er sich mit Vorliebe zum Aufenthalt erkor, räumte der Erbgraf dem Ordensgeistlichen die Hauskapelle als zukünftige katholische Pfarrkirche ein. Hier versah F. Johannes Schilgen dann, wie Johann Kaspar Möller (Geschichte der Grafschaft Bentheim S. 470) berichtet, von 1676—1691 die Pfarrstelle. Letztere Jahreszahl trifft nicht ganz zu — er ist schon am 28. September 1690 in Neuenhaus gestorben und zu Bentlage im Umgang („in ambitu") begraben —, doch hat er vom 12. April 1676 an in Neuenhaus getauft, Trauungen vollzogen und ein Register über die Amtshandlungen geführt. Es gebührt ihm der Ruhm, den Grund zu der blühenden katholischen Pfarrgemeinde, die Neuenhaus gegenwärtig besitzt, vor 250 Jahren, als der ganze Ort reformiert war, gelegt zu haben.
Sein zehn Jahre jüngerer Bruder Christian Schilgen machte denselben Kursus auf dem Gymnasium Tricoronatum durch, doch in etwas früherem Lebensalter. In dem Schülerverzeichnis von 1647 ist er, acht Jahre alt, bereits für die „Infima", 1652 für die „Rhetorica" und 1655 für die „Logica" eingetragen. Am 2. August letzteren Jahres wurde er an der Universität Köln immatrikuliert, und zwei Jahre später trat er ebenfalls in den Kreuzbrüderorden zu Marienfrede ein, in welchem Kloster er sein ganzes späteres Leben zubrachte und zu hohen Aemtern und Würden gelangte. Am 6. Mai 1657 empfing er das Habit, machte seine Ordensgelübde im nächsten Jahre am Tage der hl. Odilia (18. Juni) und feierte am 4. April 1662 seine Primiz. Nachdem er das Novizenkleid abgelegt hatte, fing Bruder Christianus Schilgen noch im selben Jahre 1656 an, in einem „Liber annotationum" über die wichtigsten, sein Kloster betreffenden Zeitereignisse Aufzeichnungen zu machen, die eine wertvolle Chronik desselben für diesen Zeitraum darstellen. Von 1663 an betätigte sich Bruder Christianus in dem Seminar, das dem Kloster Marienfrede zur Heranbildung seiner eigenen Ordensgeistlichen angegliedert war, als Lehrer bald im philosophischen, bald im theologischen Kursus. Und seine Wirksamkeit muß wohl eine verdienstliche gewesen sein, da er bereits am 1. Juli 1669 im Alter von erst 31 Jahren vom rheinischen Provinzial P. Wilhelm Xhneumont zum Subprior des Klosters ernannt wurde. Als er diese Würde im 23. Jahre innehatte, erwählten ihn seine Mitbrüder am 26. Mai 1691 zum Prior. Bei der Vermeldung dieses Ereignisses verrät der Schreiber des „Liber annotationum" — was ihm auf der vorhergehenden Seite bei dem Berichte über das Absterben seines Bruders P. Johannes Schilgen nicht vorgefallen war — zum ersten Male seine Identität, indem er eine Eintragung folgenden Wortlauts macht:
Anno 1691, 26 Maii post resignationem prioratus reverendi P. de Ryck ego, F(rater) Christianus Schilgen Coloniensis, conventualis huius domus, ex subpriore in 23 annum electus fui in priorem huius domus et confirmationem a reverendissimo Domino Generali accepi 14ta Junii.
(Nach dem Rücktritt des hochw. P. de Ryck vom Prioramte wurde ich, Bruder Christian Schilgen aus Köln, Ordensmann dieses Klosters, als ich dort im 23. Jahre Subprior war, am 26. Mai 1691 zum Prior dieses Hauses gewählt und als solcher am 14. Juni vom hochwürdigsten General bestätigt.)
Fünfzehn volle Jahre bekleidete er nun noch die höchste Würde, das Prioramt, im Kloster Marienfrede; außerdem wurde er zum Definitor des Generalkapitels seines Ordens ernannt. Die Klosterchronik, die er als einfacher Bruder angefangen hatte, führte Prior Christian Schilgen bis kurz vor seinem Tode fort. Die letzte Eintragung von seiner Hand findet sich darin unter dem 15. Juni 1716. Dann folgt von anderer Hand die Vermeldung seines Absterbens, das eine Woche später, am 22. Juni morgens zwischen 9 und 10 Uhr, stattfand.
Hermann Schilgen, der reichlich 2 Jahre ältere Bruder Christians, erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium Laurentianum und wurde im Mai 1652 an der Universität Köln immatrikuliert. 1654 wird er als der Erzieher (paedagogus) seines neunjährigen Bruders in der „Infima" des Gymnasium Tricoronatum bezeichnet. Später war er Doktor der Theologie, Kanoniker der Kollegiatkirchen zu St. Severin und St. Kunibert sowie Pastor der Pfarrkirche St. Lupus in Köln, welch letzterer seine Eltern seit etwa 1649 angehörten. In seinem am 9. März 1689 gemachten Testament bedenkt er von all seinen Blutsverwandten allein seine Schwester Maria im Kloster zum Lämmchen auf der Burgmauer mit einem Legat. Er beschloß seine irdische Laufbahn am 1. Dezember 1691 und wurde am zweiten Tage darauf vom Kapitel und sämtlichen Chorbrüdern der Kirchen St. Severin und St. Kunibert zu Grabe geleitet. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Pfarrkirche St. Lupus, deren Seelsorger er viele Jahre hindurch gewesen war.
Als vierter widmete sich endlich auch noch Gerhard Schilgen, der jüngste überlebende Sohn der Eheleute Johann Schilgen und Gertrud Geul, dem geistlichen Stande. Um 1669 trat er, neunzehn Jahre alt, in das Kloster St. Pantaleon zu Köln, wo er den Ordensnamen Marcus annahm. Er wirkte als Kaplan in Boißheim und später als Rektor in Lich (bei Jülich); in letzterem Orte starb er im 54. Lebensjahre am 21. Januar 1704.
Von dem jüngeren Johann Schilgen, dem Stammvater der Familie, wird in einem besonderen Abschnitt die Rede sein. Sein dritthalb Jahre älterer Bruder Wilhelm Schilgen, der 1654 Schüler der „Infima" des Gymnasium Tricoronatum war, muß wohl die Rechte studiert haben, obwohl eine ausdrückliche Bestätigung dafür bisher nicht gefunden wurde. Bei der zweiten Erbteilung von 1675 wird neben ihm seine Hausfrau Katharina Henckels vermeldet. Am 9. August 1706 verkaufte er für sich und im Auftrage seines Bruders Johann (in Rheine) die von den Eltern ererbten Häuser an der Waldemansgasse, deren alleinige Eigentümer beide nunmehr waren. Allem Anscheine nach bewohnte Wilhelm Schilgen zu der Zeit Köln nicht mehr, denn er wird Fiskalanwalt (Procurator fisci) des Amtes Miseloe genannt. Ueber seine ferneren Lebensschicksale sind wir nicht unterrichtet.