Die Familie Schilgen in Dorsten
Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise weggelassen.
Nicht lange nach dem plötzlichen Absterben des Bentheimer Hofrichters Christian Joseph Schilgen muß dessen ältester Sohn Johann Adolf Schilgen sich als Kaufmann in Dorsten niedergelassen und mit Margaretha Angelina Farwick verehelicht haben, denn am 4. April 1766 wird dort das erste Kind dieses Ehepaars getauft. Woher die Ehefrau stammte, erhellt aus keinen mir zu Gebote stehenden Quellen; in Dorsten scheint sie jedenfalls nicht geboren zu sein. Die Verbindung der Familie Schilgen nach hier scheint von den Zeiten des Großvaters Johann Christoph Schilgen her niemals unterbrochen worden zu sein; die Familie besaß in Dorsten auch immer noch Grundbesitz in ungeteilter Gemeinschaft. In den dortigen Kirchenbüchern finden sich folgende Eintragungen über die Taufen der ihnen geborenen Kinder:
- Josephina Schilgen, getauft den 4. April 1766. Paten: Ursula Christina Sehlers geb. Schilgen und Richter Ludolf (von) Beesten, vertreten durch den Dorstener Rechtsanwalt und Notar Ludolf Sander.
- Ferdinand Schilgen, getauft den 28. Februar 1768. Paten: Ferdinand Joseph Schilgen, Rechtsanwalt (später Richter) in Neuenhaus, Grafschaft Bentheim, und Anna Farwick.
- Anna Maria Schilgen, getauft den 3. April 1770. Paten: der hochw. Herr Johann Vincenz Schonemann und die geistliche Jungfer Helena Farwick.
- Bernardina Klara Schilgen, getauft den 15. August 1775. Paten: Vikar Johann Georg Weldige gnt. Cremer und Bernardina Schonemann.
Johann Adolf Schilgen war von schwächlicher Gesundheit; am 9. März 1780 ist er in seinem Wohnorte Dorsten verstorben. Seine Witwe Margarethe Farwick überlebte ihn viele Jahre; erst am 27. Mai 1818, als sie ein Alter von 87 Jahren erreicht hatte, segnete sie das Zeitliche. Von ihren vier Kindern starben die beiden jüngsten Töchter unverehelicht — Maria Anna wohl schon im frühen Kindesalter, Bernardine am 5. Januar 1799 in ihrem 24. Lebensjahre. Josefine Schilgen, die älteste Tochter, verheiratete sich mit Gerrit Hendrik Groen; dieses Ehepaar wohnte ausweislich einer notariellen Vollmacht vom 1. Mai 1804 zu der Zeit in Amsterdam, und Josefine lebte auch noch zur Zeit des Absterbens ihrer Mutter im Jahre 1818.
Ferdinand Schilgen, der einzige Sohn der Eheleute Johann Adolf Schilgen und Margaretha Farwick, ließ sich gleichfalls als Kaufmann in Dorsten nieder. Am 21. November 1805 verkaufte er ein bei Dorsten auf Koelen Kamp gelegenes Grundstück, und zwar mit einer „von seinen zu Rheine und Nienhaus wohnenden Herren Miterben erteilten Spezialvollmacht". Dieser Umstand beweist, daß das Besitztum noch von Johann Christoph Schilgen, dem Großvater der beiden Miterben (Richter Ferdinand Joseph Schilgen in Neuenhaus und Dr. med. Friedrich Karl Schilgen in Rheine), herstammte; auch läßt der Flurname Koelen Kamp wiederum auf die mutmaßliche Verwandtschaft mit der Bürgermeisterfamilie Koel in Dorsten schließen. Andererseits hatte der Dorstener Zweig noch Anteil an einem bei der Bauerschaft Wadelheim (Ksp. Rheine) angelegten Kapital, das allem Anscheine nach noch von dem gemeinschaftlichen Urahnen, Dr. jur. Johann Schilgen, Bürgermeister zu Rheine, herrührte.
Am 11. Mai 1800 hatte Ferdinand Schilgen sich in der Aegidiikirche zu Münster mit Elisabeth Lutterbeck verheiratet. Letztere war als Tochter der Eheleute Johann Diedrich Lutterbeck und Anna Maria Agnes Abenhaus in der Lambertipfarre zu Münster geboren und am 6. April 1774 im Dom daselbst getauft worden. Folgende Kinder des Ehepaars Schilgen-Lutterbeck werden in den Taufregistern des Pfarrarchivs Dorsten vermeldet:
- Ferdinand Schilgen, getauft den 25. April 1801. Paten: Richter Ferdinand Joseph Schilgen in Neuenhaus, vertreten durch Joseph de Weldige gnt. Cremer, und die Großmutter Margaretha Schilgen (geb. Farwick).
- Agnes Schilgen, getauft den 25. Januar 1803. Paten: die Großmutter Margaretha Schilgen geb. Farwick und der Rechtsanwalt Sander.
- Bernard Schilgen, getauft den 2. März 1805. Paten: Bernard de Weldige gnt. Cremer und Catharina Maria Averbeck geb. Spiegelhof.
- Adolfine Schilgen, getauft den 11. September 1806. Paten: Josephina van Groene geb. Schilgen, vertreten durch Ludowika Wulfsahl und Hermann Neuhaus.
Indessen war dem Paar kein langjähriger Ehestand beschieden. Im Alter von 40 Jahren starb Ferdinand Schilgen am 26. Januar 1809, nachdem er ein ganzes Jahr schwer leidend gewesen war. In einem erhaltenen Briefe seiner Frau — gezeichnet Lisette Schilgen geborene Lutterbeck —, den diese drei Tage vor dem Absterben ihres Mannes an dessen Oheim Dr. Friedrich Karl Schilgen in Rheine schrieb, dankt sie diesem für den gewährten Beistand in der Notlage, in die sie durch die lange Krankheit ihres Gatten geraten war. Von den Kindern des Ehepaars Schilgen-Lutterbeck waren zwei, Agnes und Bernard, bereits vor dem Vater mit Tod abgegangen. Die beiden anderen, Ferdinand und Adolfine, lebten 1818 beim Absterben der Großmutter noch, doch scheint auch Ferdinand das Mannesalter nicht erreicht zu haben.
Adolfine Schilgen dagegen, die jüngste Tochter, war zweimal verheiratet. Am 6. Juni 1832 trat sie in Dorsten in den Ehestand mit Joseph Xanten (getauft zu Dorsten am 3. August 1805, gestorben daselbst am 30. September 1837) und zum zweiten Mal am 26. November 1842 mit Gottfried Rive (getauft zu Dorsten am 6. Oktober 1806, gestorben daselbst am 19. Juni 1855). Ihrem zweiten Ehemann war Adolfine am 6. März 1852 mit Tod vorangegangen, und mit ihr schied der letzte Sprößling des Dorstener Zweiges der Familie Schilgen aus dem Leben. Ihre Mutter, Elisabeth Lutterbeck, die Witwe Ferdinand Schilgens, verehelichte sich am 28. August 1810 zum zweiten Mal mit Johann Joseph Degen, dem sie bei ihrem am 12. Juni 1841 erfolgten Absterben drei großjährige Kinder hinterließ.