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Die Familie Schilgen in der Grafschaft Bentheim

B. Aeltere Linie der Familie · Kapitel 8

Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise weggelassen.

Nikolaus Anton Schilgen

Dieser zweite Sohn des Hofrichters Christian Joseph Schilgen ließ sich kurz nach dem jähen Absterben seines Vaters in Neuenhaus, einem Städtchen der Niedergrafschaft Bentheim, als Weinhändler nieder. Er bewohnte das Haus der Hauptstraße Nr. 45 neben der Post und verheiratete sich, noch nicht 25 Jahre alt, am 18. Januar 1764 mit der annähernd dreißigjährigen Katharina Gertrud Beaulieu, Tochter des Neuenhauser Vogts Johann Philipp Beaulieu und seiner Ehefrau Anna Angela Bernsen. Kurz darauf erwarb er das Bürgerrecht der Stadt Neuenhaus, worüber sich folgende Eintragung im dortigen Bürgerbuch findet:

Anno 1764 den 14 Februari heeft Nicolaas Anth. Schilgen getrouwt an onse Burgerdochter d’Juffr. Cathriena Geertruyd Beaulieu de Burgerschap gewonen en betaalt.

Wann dem Weinhändler Schilgen diese erste Frau, die ihm am 9. August 1766 ein Söhnchen schenkte, abgestorben ist, konnte wegen ermangelnder Sterbebücher nicht festgestellt werden. Sicher ist jedoch, daß er anfangs 1779 mit Maria Wilhelmina Elisabeth van Goes aus Vreden (Kr. Ahaus) zum zweiten Male in den Ehestand trat; diese zweite Frau erwarb am 11. Februar 1779 Bürgerrecht in Neuenhaus. Diesen beiden Ehen entsprossen folgende Kinder:

1. Ehe

  1. Gerhard Johann Joseph Schilgen, getauft zu Neuenhaus am 9. August 1766. Taufpate: Johann Gerhard Hinderinck.

2. Ehe

  1. Helena Franziska Elisabeth Schilgen, get. daselbst am 23. Juli 1780. Taufpatin: Helena Josephina von Beesten.
  2. Ferdinand Joseph Anton Schilgen, get. daselbst am 6. März 1782. Taufpate: Ferdinand Joseph Schilgen.
  3. Friedrich Karl Schilgen, get. daselbst am 31. Oktober 1783. Taufpate: Friedrich Karl Schilgen, vertreten durch Ferdinand Joseph Schilgen.
  4. Theodora Elisabeth Schilgen, get. daselbst am 20. August 1785. Taufpatin: Helena Josephine v. Beesten.
  5. Nikolaus Wilhelm Schilgen, get. daselbst am 2. April 1787. Taufpate: Ferdinand Joseph Schilgen.
  6. Johann Franz Schilgen, get. daselbst am 7. März 1790. Taufpate: Ferdinand Joseph Schilgen.

Unlange nach der Geburt des letztgenannten Kindes scheint der Weinhändler Nikolaus Anton Schilgen verstorben zu sein, denn am 18. September 1792 verheiratete sich seine Witwe wieder mit Johan Kistemaker aus Zwolle, der am 21. Februar 1795 Bürgerrecht in Neuenhaus erwarb; am 29. Dezember 1814 war Elisabeth van Goes zum zweiten Male Witwe. Von den oben aufgeführten Kindern blieben nur drei — Joseph, Wilhelm und Franz — im Leben. Joseph war nach Amerika ausgewandert, doch bereits verstorben; Wilhelm wohnte in Amsterdam. Franz Schilgen, der jüngste Sohn, ließ sich als Kaufmann in Rheine nieder, wo er sich am 16. Februar 1819 mit Maria Theresia Leusmann, Tochter des dortigen Kaufmanns Joseph Leusmann, verheiratete und folgende Kinder mit ihr hatte: Franz Joseph (geb. am 18. Dezember 1819, ihm am 19. April 1820 im Alter von 4 Monaten im Tode vorangegangen), Theodora Josefine Karoline (geb. am 5. April 1821) und Hermann Joseph Franz (geb. am 12. Oktober 1824). Der Kaufmann Franz Schilgen starb in Rheine am 2. Dezember 1824; was aus der Witwe und den beiden anderen Kindern geworden ist, ließ sich nicht ermitteln.

Ferdinand Joseph Schilgen

Ferdinand Joseph Schilgen, der dritte Sohn des Bentheimer Hofrichters, der beim Absterben seines Vaters noch unmündig war, studierte die Rechte in Heidelberg und Göttingen und kehrte darauf in die Grafschaft Bentheim zurück. Hier wurde er zur Ausübung des Advokatenberufes zugelassen und als substituierter Gograf von Emsbüren beeidigt. Am 10. Januar 1769 verheiratete er sich mit seiner Base Helena Josephine von Beesten, Tochter seines Oheims mütterlicher Seite, des Emblichheimer Richters Johann Ludolf von Beesten und dessen Ehefrau Franziska Antonette geb. Schürmann. Zugleich nahm er, da es am Gogericht zu Emsbüren wenig zu tun gab, seinen Wohnsitz in Neuenhaus und erwarb sich dort und in der Umgegend eine ziemlich ausgedehnte Praxis als Advokat. In einem Promemoria über die um die Neuenhauser Richterstelle eingegangenen Bewerbungen (1769) heißt es über ihn: „Der Advokat Schilgen, Bentheimscher Adjunkt-Gograf in Emsbüren, ist ein Mann von vieler Hoffnung, aber noch sehr jung und ist vor zwei Jahren von Akademien zurückgekommen."

Am 24. November 1784 zum Advocatus domus ernannt, legte Ferdinand Joseph Schilgen später die Stelle als substituierter Gograf von Emsbüren nieder, behielt aber den Titel eines Gografen bei. Als sein Schwager, der Emblichheimer Richter Friedrich Karl von Beesten, anfangs 1796 starb, bewarb Schilgen sich um dieses Amt; in einem Berichte der Bentheimer Regierung heißt es: „Er arbeitet zwar langsam, besitzt aber genugsame Fähigkeit für die Verwaltung eines Richteramtes." Am 7. Juli 1796 wurde er zum Richter in Emblichheim ernannt, mußte jedoch die Stellung als Advocatus domus niederlegen. Er drang solange bei der Regierung darauf, seinen Wohnsitz in Neuenhaus beibehalten zu dürfen, bis ihm dies gestattet wurde — besonders aus Rücksicht auf seine Frau und seine Töchter und aus Sorge, seine Rechtspraxis durch eine Uebersiedelung zu verlieren. So begab er sich fortan nur zur Abhaltung der ordentlichen Gerichtstage nach Emblichheim und verbrachte den Rest seines Lebens in dem liebgewonnenen Heim in Neuenhaus.

Dieses Schilgensche Haus liegt prächtig neben der alten Fürstlich Bentheimschen Wassermühle, auf deren Mühlenkolk die eine Giebelseite Ausschau gibt. Ueber der Haupteingangstür am Mühlenplatz steht eine lateinische Inschrift, von der sich nur die beiden ersten Wörter — Christi dextra (die rechte Hand Christi) — mit Sicherheit entziffern lassen, dazu die Jahreszahl 1707. Wer das Haus bauen ließ, ist nicht bekannt; 1726 war es Eigentum der Eheleute Joan Henrick van Bevervoorden, Hauptrichter des Hofes Ootmarsum in Overijssel, und Maria Keller, die es am 7. November dieses Jahres an den Sekretär Joan Hermann Schuermann vermieteten. Schuermann, ein Oheim mütterlicher Seite der Frau des Gografen Schilgen, bewohnte das Haus bis zu seinem 1769 erfolgten Absterben und setzte seine Nichte Helena Josephine durch letztwillige Verfügung zu seiner Universalerbin ein. Für eine ererbte Schuldforderung gegen die Familie v. Bevervoorden (rund 2467 Gulden) übertrug der Ootmarsumer Richter Herman van Bevervoorden am 7. September 1775 der Frau Schilgen das Haus „in völligem Eigenthum" und zahlte ihr obendrein 400 Gulden aus. So ging das Haus in den freien Besitz der Eheleute Schilgen über; sie ließen ihr verbundenes Wappen über dem Eingang zum Saal anbringen, wo es noch heute zu sehen ist. Frau Helene Josephine Schilgen geb. von Beesten starb nach langer Krankheit am 6. Dezember 1798 und wurde in der Kirche zu Frenswegen beigesetzt; Richter und Gograf Ferdinand Joseph Schilgen folgte ihr im Tode am 12. Juli 1809.

Ihrer Ehe waren vier Kinder, sämtlich Töchter, entsprossen:

  1. Anna Josephine Schilgen, getauft zu Neuenhaus am 7. April 1770. Taufpatin: Joanna Nicoletta von Beesten geb. Meyknecht, vertreten durch Katharina Beaulieu.
  2. Helena Katharina Schilgen, get. daselbst am 21. Oktober 1773. Taufpatin: Katharina Gertrud Schilgen geb. Beaulieu.
  3. Karoline Antonette Schilgen, get. daselbst am 16. Oktober 1775. Taufpatin: Karoline Antonette von Hoflingen, vertreten durch Maria Antonette Boemken.
  4. Maria Katharina Schilgen, getauft daselbst am 19. November 1780. Taufpatin: Maria Wilhelmine Elisabeth van Goes.

Von den vier Töchtern blieb die älteste, Anna Josephine, unverehelicht und bewohnte zeitlebens das elterliche Haus am Mühlenplatz in Neuenhaus, während die zweite bereits als Kind aus dem Leben schied. Die dritte, Karoline Schilgen, verheiratete sich am 27. Januar 1814 mit dem Witwer Johan Kock, Weinhändler und Bürgermeister in Oldenzaal; sie hatte keine Kinder mit ihm, und nachdem ihr Ehemann am 19. Februar 1825 verstorben war, kehrte sie ins elterliche Heim nach Neuenhaus zurück. Katharina Schilgen, die vierte und jüngste Tochter, trat 1814 mit Michael Hülskötter, Kreisrichter zu Haltern, in die Ehe. Beide Eheleute starben vor 1819, und ihre nachgelassenen Kinder — eine Tochter und ein Sohn — folgten ihnen in der ersten Jugendblüte ins Grab, erstere in Neuenhaus und letzterer, Gerhard Hülskötter, als Schüler der Unterprima des Gymnasiums in Coesfeld nach vollendetem 18. Lebensjahre.

Josephine Schilgen führte noch eine geraume Reihe von Jahren ein zurückgezogenes Leben im elterlichen Hause. Das Töchterchen ihrer Schwester Katharina, das sie nach dem allzufrühen Absterben beider Eltern zu sich genommen hatte, brachte eine Zeitlang wieder Sonnenschein ins Haus, bis der Tod auch diese Knospe knickte. Etwas früher schon war Josephines Schwester Karoline, die Witwe des Oldenzaaler Bürgermeisters Kock, wieder zu ihr gezogen, und beide Schwestern trennten sich von dem Haus am Mühlenplatz, an das ihr Vater eine so große Anhänglichkeit gelegt hatte, zu Lebzeiten nicht mehr. Karoline Kock geb. Schilgen starb am 30. Mai 1839 im 63. Lebensjahr, Josephine Schilgen am 19. September 1845, reichlich 75 Jahre alt. Letztere setzte durch letztwillige Verfügung die katholische Kirche zu Neuenhaus zu ihrer Erbin ein und vermachte der dortigen Pfarre außerdem ein Legat von 500 Gulden. Auf diese Weise sind die nachgelassenen Papiere des Richters Ferdinand Joseph Schilgen und seiner Familie in das Archiv der katholischen Pfarrkirche zu Neuenhaus gelangt.