Die Familie Schilgen in Belgien
Aus: Heinrich Pottmeyer, Kurze Geschichte der Familie Schilgen bezw. von Schilgen, Münster 1925. Diplomatische Wiedergabe; reine Archivnachweise weggelassen.
Ludwig Christian Josef Bernhard Schilgen, als jüngster Sohn des Arztes Jodokus Gottfried Schilgen und seiner Ehefrau Katharina geb. Sträter am 21. Juli 1814 zu Rheine geboren, widmete sich dem kaufmännischen Berufe, wandte sich nach Belgien und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Lüttich. Um 1845 trat er zu Valkenburg (ndl. Limburg) mit Maria Quaedvlieg, einer Kaufmannstochter dieses Ortes (dort am 26. Juli 1820 geboren), vor den Traualtar. Diese Ehe war mit folgenden fünf Kindern gesegnet:
- Louis Schilgen, geb. 24. Juni 1846.
- Maria Schilgen, geb. 12. August 1850.
- Albert Schilgen, geb. 7. August 1853.
- Raphael Schilgen, geb. 14. Januar 1855.
- Alphonsine Schilgen, geb. 23. November 1858.
Ueber die Lebensschicksale Ludwig Schilgens sind nicht viele Einzelheiten bekannt geworden. Sein Briefwechsel mit den Verwandten in Rheine ist zu Zeiten ein ziemlich reger, flaut dann wieder ab und hört nach 1871 vollständig auf; doch gibt er manchen Einblick in seine Geistesverfassung und eine warme Zuneigung zur Heimat, insbesondere zu seinem Geburtsorte Rheine. So schreibt er nicht lange nach dem Absterben seines Bruders, des Arztes Theodor Schilgen (um 1865), an dessen Witwe Mina geb. Everke:
„Sorge ja für Deine Gesundheit, die Kinder haben Dich so nötig … Vor allem viel Bewegung! Ich bin stark wie eine Eiche. Dies verdanke ich nächst Gott hauptsächlich meiner fortwährenden Bewegung. Ich marschiere von 8 oder 9 Uhr morgens bis Mittag und von 2 oder 3 Uhr nachmittags bis zum Abend. Ich esse nur dreimal täglich … weder Kaffee noch Schnaps, noch Wein noch Bier. Nun lebe wohl, liebe Mina, küsse Jodokus, Stephan, Theodora, Anna und Elisabeth sowie die kleine Gertrud für mich."
Aus einem anderen Schreiben (31. Dezember 1864) geht hervor, daß er 1859 zum letzten Male auf zwei Tage in Rheine zu Besuch gewesen war und ein Kommissionsgeschäft betrieb; sein ältester Sohn Louis studierte damals (wohl in Lüttich) Medizin. Voll Heimweh schreibt er:
„Ich hoffe, liebe Mina, daß es mir dereinst möglich sein wird, oft nach Rheine zu kommen … und die Gräber unserer lieben Abgeschiedenen zu besuchen … Im Emsgarten und auf Heketoer (?) habe ich die glücklichsten Stunden meiner Jugendjahre verlebt. … Ich weiß noch die Stellen, wo Papa gerne saß, wo Mama die Erdbeeren pflückte, und wo ich so selig war; mir deucht, da müßte ich ganz wieder aufleben."
Anläßlich der Vermählung von Theodora Schilgen mit Dr. Anton Fiehe lebte der Briefwechsel 1869 noch einmal auf; Ludwig Schilgen besuchte die Heimat, und seine beiden ältesten Söhne Louis und Albert, die ihn begleiteten, lernten dabei wohl zum ersten Mal die deutschen Verwandten kennen. Der im Juli 1870 ausgebrochene deutsch-französische Krieg — der Dr. Anton Fiehe ins Feld führte — warf manche Pläne über den Haufen, so auch den, daß Frl. Lisbeth Schilgen, Frau Minas Tochter, zusammen mit Ludwigs jüngster Tochter Alphonsine ein belgisches Pensionat besuchen sollte. Lisbeth kam während des Krieges ins Pensionat nach Ahrweiler und starb dort am 26. Juli 1871; kurz darauf brach der Briefwechsel zwischen Lüttich und Rheine ab.
Nur noch folgende dürre Tatsachen ließen sich dem Familienbuch Sträter und einigen Totenzetteln entnehmen. Ludwig Schilgen starb am 30. April 1889 zu Lüttich im 75. Lebensjahre, nachdem ihm seine Gemahlin Maria geb. Quaedvlieg am 15. Februar 1888 zu Laeken bei Brüssel im Tode vorangegangen war. Der älteste Sohn, Louis Schilgen, verheiratete sich mit Frl. Laure Dufour und starb am 7. Januar 1902 zu Brüssel ohne Kinder. Der zweite Sohn, Albert Schilgen, trat mit Frl. Lotta Minette in die Ehe und starb am 28. Dezember 1894 zu Lüttich; sein Sohn Maurice Schilgen (geb. 1895) hat den Weltkrieg auf belgischer Seite mitgemacht und war wenigstens noch vor einigen Jahren am Leben. Der dritte Sohn, Raphael Schilgen, liegt seit vielen Jahren krank in einem Hospital in Lüttich. Von den beiden Töchtern verheiratete sich die ältere, Marie Schilgen, mit Richard Quaedvlieg aus Valkenburg und starb zu Brüssel am 6. Januar 1895; die jüngere, Alphonsine Schilgen, blieb unverehelicht, widmete sich dem Unterricht an höheren Erziehungsanstalten für die weibliche Jugend Belgiens und hielt sich den letzten Nachrichten zufolge in Gent auf.